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Nachrichten aus Wirtschaft und Mittelstand

Europas Seehäfen driften auseinander: Wilhelmshaven plus 36 Prozent, Rotterdam stabil, Antwerpen und Hamburg im Minus

Stand 6. November 2026 Logistik

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Rotterdam verlor beim Transshipment 20 Prozent, weil Terminalkapazität fehlte. Zusätzliche Kapazität soll ab Ende 2026 kommen.
  • Drei Störungen kosteten Antwerpen-Brügge nach eigenen Angaben rund 260.000 TEU.
  • Importe aus den Staaten rund um den Persischen Golf sanken in Antwerpen-Brügge um 57 Prozent.
  • Die neun niedersächsischen Häfen schlugen zusammen 31,1 Millionen Tonnen um, plus 7 Prozent.
  • Vergleichbare Halbjahreszahlen aus Bremen und Bremerhaven lagen noch nicht vor.

Die großen europäischen Seehäfen haben im ersten Halbjahr 2026 sehr unterschiedliche Zahlen gemeldet. Rotterdam blieb mit 212 Millionen Tonnen und plus 0,4 Prozent stabil, Antwerpen-Brügge und Hamburg verloren, Algeciras legte beim Container zu. Am stärksten wuchs Wilhelmshaven mit 36 Prozent mehr Containern, allerdings von einem deutlich kleineren Niveau aus. Das zeigt ein Vergleich des Fachportals trans.info auf Basis der Hafendaten. Handelsungleichgewichte, Streiks und fehlende Terminalkapazität erklären einen großen Teil der Unterschiede.

Containerschiff wird an einem Tiefwasserkai an der Nordsee entladen
Symbolbild, mit KI erzeugt.

Die größten Häfen im Vergleich, 1. Halbjahr 2026

HafenGesamtumschlagVeränderungContainer
Rotterdam212 Millionen Tonnenplus 0,4 Prozentminus 0,1 Prozent TEU
Antwerpen-Brügge133,9 Millionen Tonnenminus 2,4 Prozentminus 1,5 Prozent TEU
Hamburg56,1 Millionen Tonnenminus 3,1 Prozent4,0 Millionen TEU, minus 3,8 Prozent
Algecirasmehr als 50 Millionen Tonnenminus 1,6 Prozent2,4 Millionen TEU, plus 3 Prozent
Wilhelmshavenrund 20,6 Millionen Tonnenplus 14 Prozentmehr als 898.000 TEU, plus 36 Prozent

Quelle: trans.info, 26.08.2026, nach Angaben der Häfen; Auswahl, keine vollständige Rangliste

Rotterdam: Stabil, aber mit Engpass

Rotterdam schlug 212 Millionen Tonnen um und bleibt der größte Hafen dieser Gruppe. Getragen wurde das Ergebnis von Massengütern: Trockenes Massengut legte um 1,7 Prozent zu, flüssiges um 2,4 Prozent. Der Umschlag von Ölprodukten stieg um 11,5 Prozent auf 25 Millionen Tonnen, der Kohleumschlag um 17,8 Prozent. Als Gründe nennt der Hafen unter anderem Störungen in der Region des Persischen Golfs und höhere Energiepreise.

Bei den Containern blieb es fast gleich, nach Gewicht ging es um 2,6 Prozent auf 98,5 Millionen Tonnen zurück. Dahinter verschieben sich die Ströme: Der Überseeverkehr wuchs um 5,2 Prozent, Importe aus Asien um 8 Prozent, Nordamerika um 13 Prozent. Die Ausfuhren beladener Container sanken dagegen um 1 Prozent. Beim Umladen auf andere Schiffe, dem Transshipment, meldet Rotterdam minus 20 Prozent und führt das auf fehlende Terminalkapazität zurück.

Antwerpen-Brügge: Streik, Ölverschmutzung und schwache Exporte

Antwerpen-Brügge verlor 2,4 Prozent, im Containerverkehr 1,5 Prozent nach TEU und 3,6 Prozent nach Gewicht. Der Vergleichswert aus dem ersten Halbjahr 2025 war allerdings außergewöhnlich stark. Die Ausfuhren beladener Container gingen um 5,7 Prozent zurück, leere Container nahmen um 13,7 Prozent zu. Der Hafen sieht darin die schwache Exportlage der westeuropäischen Industrie.

Hinzu kamen drei einzelne Ereignisse, die zusammen etwa 260.000 TEU betrafen.

Was Antwerpen-Brügge an Menge gekostet hat

EreignisMonatGeschätzter Ausfall
Viertägiger Streik der nautischen DiensteMärz100.000 TEU
Ölverschmutzung im Deurganck-DockApril85.000 TEU
Arbeitskampf der LotsenJuni75.000 TEU

Quelle: Hafen Antwerpen-Brügge, nach trans.info

Geopolitik verschiebt die Warenströme

Die Importe aus den Staaten rund um den Persischen Golf sanken in Antwerpen-Brügge um 57 Prozent. Beladene Container aus den USA gingen um 10,4 Prozent zurück, die Ausfuhren in die USA um 16,5 Prozent. China entwickelte sich entgegengesetzt, dort nahmen Container-, Fahrzeug- und Stahlmengen zu. Auch in Hamburg fiel der USA-Verkehr um 13,5 Prozent, während Rotterdam im Nordamerika-Verkehr um 13 Prozent zulegte. Die Häfen treffen also nicht alle dieselben Effekte, sie verteilen sich.

Ein weiterer Hinweis ist die wachsende Lücke zwischen Gesamtumschlag und Containern. Algeciras steigerte die Containerzahl trotz weniger Gesamtfracht. In Antwerpen-Brügge stiegen die Leercontainer, während volle Exportboxen abnahmen. Das zeigt, dass Europa weniger ausführt, als es empfängt.

Wie sich Abhängigkeiten bei Rohstoffen auswirken, zeigt unser Beitrag zu Kupfer, Nickel und Aluminium.

Wilhelmshaven: Warum der kleine Hafen so stark wächst

Nahezu der gesamte Containerverkehr der neun niedersächsischen Häfen läuft über Wilhelmshaven mit dem Jade-Weser-Port. Dort lag der Umschlag bei rund 20,6 Millionen Tonnen und mehr als 898.000 TEU. Fast 68.000 Neufahrzeuge wurden abgefertigt. Unsere Quelle nennt keine Ursache für das Wachstum. Naheliegend ist, dass Kapazitätsengpässe anderswo Ladung umleiten, belegen lässt sich das daraus aber nicht.

Die Region ist nicht überall im Plus. Cuxhaven verlor 32 Prozent auf 1,3 Millionen Tonnen, vor allem weil 2025 ungewöhnlich viele Baustoffe umgeschlagen wurden. Die Zahl der abgefertigten Neufahrzeuge ging dort auf 185.508 zurück.

Algeciras: Wachstum im Süden mit Avocados

Am südlichen Zugang zu Europa stieg der Containerumschlag um 3 Prozent auf 2,4 Millionen TEU, obwohl die Gesamtmenge leicht fiel. Beigetragen haben mehr beladene Container und Kühlcontainer. Die Einfuhren von Erzeugnissen wie Mangos und Avocados nahmen zu, weil der Hafen die europäische Nachfrage bediente, wenn die Ernte auf der Iberischen Halbinsel ruht. Im Juni erreichte er 417.327 TEU, und der Lkw-Verkehr nahm um 11 Prozent zu.

Bremerhaven und Bremen fehlen

Vergleichbare Halbjahreszahlen für Bremen und Bremerhaven waren in den Unterlagen von bremenports noch nicht enthalten, deshalb stehen die Häfen nicht in diesem Vergleich. Das ist wichtig beim Lesen: Ein Teil der deutschen Bewegung bleibt unsichtbar.

Die Zahlen für Hamburg stehen im Beitrag zum Hamburger Hafen im ersten Halbjahr.

Was Unternehmen daraus ableiten können

Gut zu wissen

Lieferketten

Einzelne Streiks und Störungen können große Mengen kosten. Planen Sie bei kritischen Waren Puffer ein und kennen Sie Ausweichhäfen.

Gut zu wissen

Export

Mehr Leercontainer und weniger volle Exportboxen deuten auf schwache Ausfuhren hin. Das kann Rückladungen günstig machen, sagt aber wenig über die eigene Branche.

Gut zu wissen

Kapazität

Rotterdam erwartet ab Ende 2026 zusätzliche Terminalkapazität. Laufende Verträge sollten das beim nächsten Abschluss berücksichtigen.

Einordnung

Der Vergleich zeigt vor allem, wie stark einzelne Ereignisse und Kapazitäten die Halbjahreszahlen prägen. Eine Trendaussage für den Standort Deutschland oder Europa lässt sich daraus nicht ziehen, zumal Bremerhaven fehlt und die Zahlen nur bis Juni reichen. Das hohe Plus von Wilhelmshaven kommt von einer kleinen Basis und sagt noch nichts über dauerhafte Verschiebungen. Die Übersicht stammt von einem Fachportal, das die Daten der Häfen zusammengestellt hat, geprüft haben wir sie nicht einzeln an den Originalen.

Häufige Fragen

Was ist der größte Hafen Europas?

Unter den hier verglichenen Häfen ist es Rotterdam mit 212 Millionen Tonnen im ersten Halbjahr 2026, gefolgt von Antwerpen-Brügge mit 133,9 Millionen Tonnen.

Warum wächst Wilhelmshaven so stark?

Der Containerumschlag stieg um 36 Prozent auf mehr als 898.000 TEU. Unsere Quelle nennt dafür keine Ursache. Die Basis ist viel kleiner als in Hamburg oder Rotterdam.

Wie viel Container schlägt der Jade-Weser-Port um?

Wilhelmshaven kam im ersten Halbjahr 2026 auf mehr als 898.000 TEU. Fast der gesamte Containerverkehr der niedersächsischen Häfen läuft dort.

Warum hat Antwerpen-Brügge verloren?

Laut Hafen wegen schwacher Exporte sowie eines Streiks, einer Ölverschmutzung und eines Arbeitskampfs der Lotsen. Diese drei Ereignisse betrafen zusammen etwa 260.000 TEU.

Quellen

Stand: 6. November 2026. Redaktion Premiumpresse. Der Abschnitt „Einordnung“ ist eine Einschätzung der Redaktion. Der Beitrag ersetzt keine Rechts- oder Finanzberatung.

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