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Nachrichten aus Wirtschaft und Mittelstand

Erste Kraftwerksausschreibung: Zehn von elf Zuschlägen gehen an RWE und LEAG

Stand 6. November 2026 Energiewirtschaft Mit KI erstellt

Das Wichtigste auf einen Blick

  • 41 Gebote über rund 11.958 rMW standen 4.500 ausgeschriebenen rMW gegenüber, sieben wurden ausgeschlossen.
  • Der mittlere Zuschlagswert liegt bei 155.296 Euro je rMW und Jahr, der Höchstpreis lag bei 244.000 Euro.
  • Die größte Leistung entfällt auf Nordrhein-Westfalen, gefolgt von Brandenburg und Sachsen.
  • Die Betreiber erhalten 15 Jahre lang eine Vergütung für die Bereitstellung, rechnerisch rund 800 Millionen Euro im Jahr.
  • Die zweite Runde über 4.500 Megawatt soll am 10. November bekannt gemacht werden.

Die erste Ausschreibung für neue steuerbare Kraftwerke in Deutschland ist entschieden: Die Bundesnetzagentur erteilte am 3. November elf Zuschläge über rund 5.160 Megawatt reduzierte Leistung (rMW). Zehn gehen laut tagesschau.de an RWE und LEAG samt Tochter, einer an die Stadtwerke Karlsruhe. Die Anlagen sollen ab November 2031 einspringen, wenn Wind und Sonne nicht reichen. Die Förderung summiert sich rechnerisch auf rund zwölf Milliarden Euro und wird über eine Umlage von den Stromkunden bezahlt.

Gaskraftwerk mit Abgaskamin und Hochspannungsleitungen
Symbolbild, mit KI erzeugt.

Was entschieden wurde

Grundlage ist das Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätengesetz (StromVKG). Zum Gebotstermin am 8. September gingen bei der Bundesnetzagentur 41 Gebote mit zusammen rund 11.958 rMW ein, mehr als das Zweieinhalbfache der ausgeschriebenen Menge. Sieben schieden aus, etwa weil zwingende Angaben oder Nachweise fehlten. Dass am Ende 5.160 statt 4.500 rMW vergeben wurden, liegt an einer Regel: Auch das Gebot, das die Menge erstmals überschreitet, erhält noch den Zuschlag.

Behördenpräsident Klaus Müller sieht in den Ergebnissen einen wichtigen ersten Schritt. Der intensive Wettbewerb habe zu vergleichsweise niedrigen Zuschlagswerten geführt. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche sprach laut tagesschau.de davon, die Kraftwerksstrategie gehe aus der Planung in die Umsetzung.

Zuschläge nach Bundesland

Quelle: Bundesnetzagentur, 03.11.2026; gerundete Werte

Die Ausschreibung in Zahlen

KennzahlWert
Ausgeschriebene Menge4.500 rMW
Eingegangene Gebote41 über rund 11.958 rMW
Ausgeschlossene Gebote7
Erteilte Zuschläge11 über rund 5.160 rMW
Mittlerer Zuschlagswert155.296 Euro je rMW und Jahr
Höchstpreis244.000 Euro je rMW und Jahr
Vertragslaufzeit15 Jahre
Bereitstellung abNovember 2031

Quelle: Bundesnetzagentur; tagesschau.de

Was reduzierte Leistung bedeutet

Die Ausschreibung rechnet nicht in installierter Leistung, sondern in reduzierten Megawatt. Dafür gelten nach einem Bericht des pv magazine gesetzlich festgelegte Faktoren je Technologie. Bei einem Gas- und Dampfkraftwerk beträgt der Faktor 0,85, ebenso bei einem Batteriespeicher mit 20 Stunden Speicherdauer. Ein Speicher mit zehn Stunden kommt auf 0,58. Die tatsächlich gebaute Leistung kann deshalb über der genannten Zahl liegen.

Kraftwerksstrategie: Warum Deutschland neue Gaskraftwerke baut

Die Kraftwerksstrategie soll eine Lücke schließen: Wenn bei einer längeren Dunkelflaute weder Wind noch Sonne genug Strom liefern, müssen andere Anlagen einspringen. Gleichzeitig will Deutschland bis 2038 aus der Kohleverstromung aussteigen. Wirtschaftsministerin Reiche spricht laut tagesschau.de von mindestens 20 Gigawatt neuer Gaskraftwerke. Die erste Runde deckt davon also rund ein Viertel ab, nach unserer Rechnung und mit dem Vorbehalt, dass reduzierte Megawatt und installierte Leistung nicht dasselbe sind.

Bezahlt wird nicht der erzeugte Strom, sondern die Bereitschaft. Die Betreiber bekommen 15 Jahre lang Geld dafür, dass die Leistung im Ernstfall verfügbar ist. Das Gesetz bevorzugt außerdem Standorte im sogenannten netztechnischen Süden, zu dem auch Nordrhein-Westfalen zählt. Das erklärt einen Teil der regionalen Verteilung. Ab 2032 ist laut Deutscher Umwelthilfe ein dauerhaftes System jährlicher Ausschreibungen vorgesehen.

Was ist eine Dunkelflaute?

Eine Dunkelflaute ist eine Phase, in der für längere Zeit kaum Sonne scheint und wenig Wind weht. Wind- und Solaranlagen liefern dann kaum Strom. Eine einheitliche Definition gibt es nicht. Besonders im Winter kann die Lage heikel werden, wenn kurze Tage und Flaute auf hohen Verbrauch treffen. Der Branchenverband BDEW spricht dann von einer kalten Dunkelflaute.

Wie oft das vorkommt, hängt an der Abgrenzung. Eine Auswertung des Energieunternehmens 1KOMMA5° mit Daten des Fraunhofer ISE zählt für 2016 bis 2025 im Schnitt drei Ereignisse pro Jahr, die mindestens 48 Stunden dauerten. Die längste Phase im Jahr 2025 maß rund 89 Stunden, sie lag im Februar. Häufiger geworden sind solche Lagen laut dieser Firmenanalyse nicht.

An der Börse wird Strom dann teuer: laut derselben Analyse 2025 bis zu 73 Prozent gegenüber den Phasen dazwischen. Der BDEW betont, dass Privathaushalte und viele Unternehmen das durch langfristige Lieferverträge in der Regel wenig spüren. Die Versorgung sei durch Dunkelflauten bisher zu keinem Zeitpunkt in Frage gestellt worden. Heute springen vor allem Gaskraftwerke und Stromimporte ein, im Notfall auch Reservekraftwerke, von denen viele alt sind.

Wie funktioniert ein Gaskraftwerk?

In einem Gaskraftwerk treibt das heiße Verbrennungsgas eine Turbine an, die über einen Generator Strom erzeugt. Eine reine Gasturbine kommt laut Deutschem Zentrum für Luft- und Raumfahrt auf einen Wirkungsgrad von höchstens gut 40 Prozent.

Ein Gas- und Dampfkraftwerk, kurz GuD, nutzt zusätzlich die heißen Abgase, um Dampf für eine zweite Turbine zu erzeugen. So sind bis zu 60 Prozent Wirkungsgrad möglich.

Neu ist die Vorgabe zum Brennstoff. Geförderte Gaskraftwerke müssen nach Angaben der Bundesregierung Wasserstoff-ready ausgelegt sein und laufen nur übergangsweise mit Erdgas. Alle über das Gesetz geförderten Kraftwerke müssen ab 2045 klimaneutral sein. Woher der Wasserstoff in dieser Menge kommen soll und was er dann kostet, sagen die Ausschreibungsergebnisse nicht.

Was ist ein Kapazitätsmarkt?

Ein Kapazitätsmarkt bezahlt Anbieter dafür, dass sie Leistung bereithalten, nicht erst für den gelieferten Strom. So lohnt sich auch eine Anlage, die nur wenige Stunden im Jahr gebraucht wird. Mit dem Zuschlag kommen Pflichten: Die Leistung muss zu den relevanten Zeitpunkten nachweislich erbracht werden, Neuanlagen müssen fristgerecht stehen.

Das StromVKG führt den neuen Mechanismus für das Jahr 2031 ein. Wie er genau geregelt und finanziert wird, soll laut Bundesregierung voraussichtlich 2027 ein eigenes Gesetz zum Kapazitätsmarkt festlegen. Es entscheidet also auch über die Umlage, die heute noch niemand beziffern kann. Teilnehmen können neben Gaskraftwerken auch Batterien und andere flexible Lösungen.

Was es kostet und wer zahlt

Aus dem mittleren Zuschlagswert ergeben sich laut tagesschau.de jährliche Förderzahlungen von rund 800 Millionen Euro und über 15 Jahre rechnerisch etwa zwölf Milliarden Euro. Die Nettokosten könnten niedriger ausfallen, weil Betreiber bei sehr hohen Strompreisen einen Teil ihrer Erlöse abführen müssen. Bezahlt werden soll über eine Umlage auf den Strompreis. Die Bundesregierung spricht von einer möglichen Umlage ab 2031, geregelt wird sie erst im Folgegesetz.

Die EU-Kommission hat den gesamten Fördermechanismus im September genehmigt. Sie schätzt die Kosten bis 2045 auf 15,6 bis 35,2 Milliarden Euro. Verschiedene Analysen, über die das pv magazine berichtet, rechnen für Stromverbraucher mit Zusatzkosten von etwas mehr als einem Cent je Kilowattstunde. Diese Schätzungen entstanden vor den Ergebnissen, die deutlich unter dem Höchstpreis liegen.

Was ein Cent Umlage für Betriebe bedeutet

Unsere Beispielrechnung mit genau einem Cent je Kilowattstunde. Das ist keine Prognose, die Umlage steht noch nicht fest. Sie soll nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe ab 2031 erhoben werden.

JahresverbrauchBeispielMehrkosten im Jahr je Cent
3.500 kWhPrivathaushalt35 Euro
100.000 kWhkleiner Produktionsbetrieb1.000 Euro
1 Million kWhmittlerer Betrieb10.000 Euro
10 Millionen kWhstromintensiver Betrieb100.000 Euro

Quelle: Eigene Rechnung ohne Umsatzsteuer; ob stromintensive Betriebe Entlastungen erhalten, nennen unsere Quellen nicht

Kritik: Marktmacht und Nachteile für Speicher

Der Grünen-Politiker Michael Kellner sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Ergebnisse schafften enorme Marktmacht für die alten Kohlekonzerne. Das schlechte Ausschreibungsdesign habe sich gerächt. Die Deutsche Umwelthilfe kritisiert in einer eigenen Mitteilung, dass ausschließlich Gaskraftwerke zum Zug gekommen seien und kein einziger Batteriespeicher. Sie zählt drei Kraftwerke von RWE und sechs von der LEAG und wirft dem Unternehmen vor, sich den Umbau alter Braunkohlekraftwerke auf Gas fördern zu lassen. Das ist die Sicht eines Umweltverbands, sie könnte aber erklären, warum die Gebote niedriger lagen als erwartet.

Die Speicherbranche hatte schon vorab bemängelt, das Gesetz sei nur formal technologieoffen. Bieter müssen mindestens zehn Stunden am Stück 80 Prozent ihrer installierten Leistung bereitstellen können, was Gaskraftwerke gegenüber vielen Batteriespeichern begünstigt. Für Batterien gilt außerdem eine technische Verfügbarkeit von 100 Prozent, für Gas- und Dampfkraftwerke von 85 Prozent. Die Bundesnetzagentur selbst betont den Wettbewerb zwischen Kraftwerken und Stromspeichern.

Der weitere Fahrplan

  1. 10. November 2026Bekanntmachung der zweiten Ausschreibungsrunde für Langzeitkapazitäten über 4.500 Megawatt.
  2. 2027Das Gesetz zum Kapazitätsmarkt soll voraussichtlich beschlossen werden. Weitere Ausschreibungen folgen 2027 und 2029, auch für bestehende Anlagen.
  3. Mai 2027Weitere 2.000 Megawatt, dann ohne die strenge Zehn-Stunden-Regel.
  4. November 2031Die Anlagen aus der ersten Runde sollen die Stromversorgung absichern.
  5. 2045Alle geförderten Kraftwerke müssen laut Bundesregierung ab 2045 klimaneutral sein. tagesschau.de nennt für neue Gaskraftwerke 2046.

Was das für Unternehmen bedeutet

Gut zu wissen

Stromkosten

Stromintensive Betriebe sollten die künftige Umlage in ihrer Langfristplanung berücksichtigen. Die genaue Höhe steht noch nicht fest, weil weitere Runden folgen.

Gut zu wissen

Bau und Zulieferer

Elf Projekte mit Bereitstellung ab 2031 bedeuten Aufträge für Anlagen- und Netzbau. Die Einzelstandorte veröffentlicht die Bundesnetzagentur auf ihrer Ergebnisseite.

Achtung

Offene Punkte

Der technologieoffene Kapazitätsmarkt für die Zeit ab 2032 ist nach Angaben des Branchenverbands BDEW noch auszugestalten.

Einordnung

Der Wettbewerb um die Förderung war groß, das Ergebnis trotzdem stark konzentriert. Beides stimmt zugleich: Die Überzeichnung hat den Preis gedrückt, doch den Zuschlag erhielten vor allem Konzerne, die bereits große Kraftwerksparks betreiben. Für die Industrie zählt jetzt, ob die Termine ab 2031 gehalten werden und wie hoch die Umlage am Ende ausfällt. Die zweite Runde wird zeigen, ob sich das Bild ändert oder verfestigt.

Häufige Fragen

Wer hat die Zuschläge erhalten?

Laut tagesschau.de gingen zehn der elf Zuschläge an RWE und LEAG einschließlich der Tochter Gaskraftwerk Leipheim. Der elfte ging an die Stadtwerke Karlsruhe.

Wer bezahlt die neuen Kraftwerke?

Die Förderung wird über eine Umlage finanziert, die letztlich die Stromkunden tragen. Die genaue Höhe hängt auch von den weiteren Ausschreibungsrunden ab.

Was ist eine Dunkelflaute?

Eine Phase mit wenig Wind und wenig Sonne, in der Wind- und Solaranlagen kaum Strom liefern. Eine einheitliche Definition gibt es nicht. Besonders im Winter müssen dann steuerbare Kraftwerke, Speicher oder Importe einspringen.

Wann gehen die Anlagen in Betrieb?

Die Kraftwerke aus der ersten Runde sollen ab November 2031 die Stromversorgung absichern, wenn andere Quellen nicht genügend Energie liefern.

Warum hat kein Batteriespeicher gewonnen?

Bieter mussten mindestens zehn Stunden am Stück 80 Prozent ihrer Leistung liefern können. Das begünstigt Gaskraftwerke. In der Runde im Mai 2027 soll diese strenge Regel entfallen.

Quellen

Stand: 6. November 2026. Redaktion Premiumpresse. Dieser Beitrag wurde mit KI auf Grundlage der genannten Quellen erstellt, der Abschnitt „Einordnung“ ist eine Einschätzung der Redaktion. Er ersetzt keine Rechts- oder Finanzberatung.

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