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Nachrichten aus Wirtschaft und Mittelstand

Altersvorsorgedepot 2027: Förderung, Kosten und was aus Riester wird

Stand 5. November 2026 Versicherung & Finanzen

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Für die ersten 360 Euro Eigenbeitrag gibt es 50 Prozent Zulage, für weitere Beiträge bis 1.800 Euro 25 Prozent, zusammen höchstens 540 Euro im Jahr.
  • Die Kinderzulage beträgt bis zu 300 Euro je Kind, voll erreichbar schon mit 25 Euro Eigenbeitrag im Monat.
  • Zur Wahl stehen ein Depot ohne Garantie mit bis zu 100 Prozent Aktien, ein Standarddepot mit Kostendeckel von 1,0 Prozent und Garantieprodukte mit 80 oder 100 Prozent.
  • Riester-Altverträge haben Bestandsschutz. Ein Wechsel ist möglich, sollte aber genau geprüft werden.
  • Besteuert wird erst die Auszahlung, und zwar die gesamte geförderte Leistung mit dem persönlichen Steuersatz.

Ab dem 1. Januar 2027 ersetzt das Altersvorsorgedepot für neue Verträge die bisherige Riester-Förderung. Auf eigene Beiträge bis 1.800 Euro im Jahr gibt es bis zu 540 Euro Grundzulage, dazu bis zu 300 Euro je Kind. Bestehende Riester-Verträge laufen weiter, sie werden nicht automatisch umgestellt. Zeitdruck besteht laut Stiftung Warentest nicht: Die Förderung für 2027 lässt sich auch bei einem Abschluss bis Dezember 2027 voll nutzen.

Älteres Paar und Berater mit Unterlagen an einem Esstisch
Symbolbild, mit KI erzeugt.

Was ist das Altersvorsorgedepot?

Das Altersvorsorgedepot ist ein staatlich gefördertes Wertpapierdepot für die private Altersvorsorge. Das Geld kann unter anderem in Aktienfonds und ETFs fließen. Grundlage ist das Altersvorsorgereformgesetz, das der Bundestag am 27. März 2026 beschlossen hat. Der Bundesrat stimmte am 8. Mai 2026 zu.

Für neue Verträge gelten ab 2027 nicht mehr die Riester-Regeln. Der wichtigste Unterschied: Eine Beitragsgarantie ist nicht mehr Pflicht. Das erhöht die Chancen auf Rendite und zugleich das Risiko. Neu ist außerdem, dass auch bestimmte Selbstständige und Pflichtmitglieder berufsständischer Versorgungswerke förderberechtigt sein können. Offen bleibt ein staatlich verwaltetes Standarddepot: Laut Stiftung Warentest steht nicht fest, welche Stelle es übernehmen könnte, ein Start zum 1. Januar 2027 gilt als unwahrscheinlich.

Wie hoch ist die Förderung?

Die Grundzulage richtet sich nach dem eigenen Beitrag. Die Euro-Werte haben wir anhand der gesetzlichen Staffel selbst berechnet.

Eigener Beitrag im JahrIm Monat etwaGrundzulageZusammen im Vertrag
120 Euro (Mindestbeitrag)10 Euro60 Euro180 Euro
360 Euro30 Euro180 Euro540 Euro
600 Euro50 Euro240 Euro840 Euro
1.200 Euro100 Euro390 Euro1.590 Euro
1.800 Euro150 Euro540 Euro2.340 Euro

Quelle: Staffel laut VLH und ING; Euro-Werte eigene Rechnung, ohne Kinderzulage

Kinderzulage, Berufseinsteigerbonus und Höchstbetrag

Für jedes Kind kann ein zulageberechtigter Elternteil eine Kinderzulage von 100 Prozent des Eigenbeitrags bekommen, höchstens 300 Euro je Kind und Jahr. Sie ist damit schon mit 25 Euro im Monat voll erreichbar. Die Lohnsteuerhilfe VLH rechnet vor: Wer 300 Euro im Jahr einzahlt und zwei Kinder hat, erhält 150 Euro Grundzulage und 600 Euro Kinderzulage. Zusammen fließen 1.050 Euro in den Vertrag.

Wer zu Beginn des Beitragsjahres noch nicht 25 ist und die weiteren Voraussetzungen erfüllt, soll einmalig einen Berufseinsteigerbonus von 200 Euro erhalten. Einzahlen dürfen Sie insgesamt bis zu 6.840 Euro im Jahr, Zulagen gibt es aber grundsätzlich nur auf 1.800 Euro. Der einkommensabhängige Mindestbeitrag von Riester entfällt, damit die Grundzulage fließt, müssen Förderberechtigte jedoch mindestens 120 Euro im Jahr einzahlen.

Die Produkte im Vergleich: Depot, Standarddepot und Garantie

ProduktAnlageGarantieBesonderheit
AltersvorsorgedepotSelbst gewählte Fonds und ETFs, bis zu 100 Prozent Aktien möglichkeinehöchste Renditechance, volles Kursrisiko
StandarddepotKombination aus zwei Anlagen mit unterschiedlichem RisikokeineEffektivkosten höchstens 1,0 Prozent im Jahr
GarantieproduktJe nach Anbieter80 oder 100 Prozent der Beiträgemehr Sicherheit, dafür geringere Renditechance

Quelle: VLH, ING, Cash-Online

Was kostet das Altersvorsorgedepot?

Beim Standarddepot sind die Effektivkosten gesetzlich auf 1,0 Prozent im Jahr begrenzt. Im Gesetzgebungsverfahren war dieser Deckel heftig umstritten: Der Referentenentwurf sah noch 1,5 Prozent vor, die Ökonomin Ulrike Malmendier nannte das in der Anhörung „absolut inakzeptabel“.

Für das frei gewählte Depot gilt dieser Deckel nicht automatisch. Hier lohnt der Vergleich besonders, denn Kosten mindern die Rendite über Jahrzehnte spürbar. Mehrere Anbieter haben ihre Konditionen im Herbst 2026 genannt, die Zahlen liegen deutlich unter dem Deckel. Vergleichbar sind sie nur bedingt, weil noch nicht alle Tarife vorliegen und solche Angaben nicht immer dieselben Kosten erfassen. Eine Empfehlung für einen Anbieter geben wir deshalb nicht.

Was steigende Preise für Sparer bedeuten, lesen Sie in unserem Beitrag zur Inflation im Euroraum.

Altersvorsorgedepot im Vergleich: Erste Kosten der Anbieter

AnbieterAngekündigte Kosten im Jahr
Deka und Sparkassen0,1 Prozent Jahresgebühr
Quirionetwa 0,07 bis 0,08 Prozent für Indexfonds von Vanguard
Scalable Capitalim ersten Jahr kostenfrei, danach höchstens 0,15 Prozent
Gesetzlicher Deckel beim Standarddepot1,0 Prozent Effektivkosten

Quelle: Angaben laut Stiftung Warentest, zitiert von Cash-Online; Stand Herbst 2026, keine vollständige Marktübersicht

Was passiert mit meinem Riester-Vertrag?

Zunächst nichts. Für Verträge, die vor dem 1. Januar 2027 abgeschlossen wurden, gilt Bestandsschutz. Sie laufen zu den bisherigen Bedingungen weiter und werden nicht automatisch umgewandelt. Alternativ soll es möglich sein, in die neue Förderwelt zu wechseln oder das Guthaben in einen neuen Vertrag zu übertragen.

Ein Wechsel kann Vor- und Nachteile haben. Prüfen Sie vor allem, welche Kosten beim Wechsel anfallen und was Sie aufgeben, etwa eine Garantie oder feste Rentenfaktoren. Bei einem Wechsel gelten für den Vertrag grundsätzlich die neuen Förderbedingungen. Lassen Sie das im Einzelfall durchrechnen.

Auszahlung und Steuern

Die Auszahlung beginnt nicht vor dem 65. und nicht nach dem 70. Lebensjahr. Statt der früheren Pflicht, mindestens 70 Prozent zu verrenten, besteht künftig die Wahl zwischen lebenslanger Leibrente und Auszahlplan. Der Auszahlplan läuft laut ING mindestens bis zum 85. Lebensjahr. In einer Civey-Umfrage im Auftrag der DEVK unter 2.500 Erwerbstätigen bevorzugen trotzdem 58 Prozent eine garantierte lebenslange Monatsrente.

Während der Ansparphase werden Erträge wie Zinsen, Dividenden und Kursgewinne grundsätzlich nicht besteuert. Dafür gilt die nachgelagerte Besteuerung: Im Alter wird grundsätzlich die gesamte geförderte Auszahlung mit dem persönlichen Steuersatz versteuert, nicht allein der Gewinn. Das sollten Sie berücksichtigen, wenn Sie die Förderung mit einem normalen, ungeförderten ETF-Sparplan vergleichen.

Für wen lohnt sich das Altersvorsorgedepot?

Die Staffel begünstigt kleine Beiträge und Familien. Für Menschen mit kleinem oder schwankendem Einkommen entfällt das Risiko einer gekürzten Zulage durch einen zu niedrigen Riester-Beitrag. Wer lange Zeit bis zur Rente hat, kann Kursschwankungen eher aussitzen und findet im Depot ohne Garantie die höchsten Chancen.

Vorsichtiger sollte sein, wer kurz vor der Rente steht oder Schwankungen schlecht aushält. Für diese Gruppe passen eher Standarddepot oder Garantieprodukt. Wer schon gut abgesichert ist, sollte die nachgelagerte Besteuerung und die begrenzte Flexibilität einrechnen. Ob Sie überhaupt förderberechtigt sind, hängt von Ihren persönlichen Voraussetzungen ab.

Wie sich die Zahl der Haushalte entwickeln könnte, zeigt unser Beitrag zur Vorausberechnung bis 2050.

Was die Reform für Vermittler bedeutet

Die Reform verändert auch die Beratung. In einer Umfrage der bbg Betriebsberatungs GmbH im Auftrag von Liechtenstein Life unter 225 Versicherungsvermittlern erwarten 49,3 Prozent starke und 14,2 Prozent sehr starke Auswirkungen auf den Beratungsbedarf. Als wichtigsten Trend der kommenden fünf Jahre nennen 57,8 Prozent das Altersvorsorgedepot, je 42,2 Prozent die NAV-Vergütung und KI-Beratung. Der Auftraggeber bietet selbst Fondspolicen an, die Zahlen sind entsprechend einzuordnen.

Frühstart-Rente: noch nicht beschlossen

Davon zu trennen ist die Frühstart-Rente. Das Bundeskabinett hat am 12. August 2026 den Gesetzentwurf beschlossen. Danach soll der Staat für Kinder vom vollendeten 6. bis zum vollendeten 18. Lebensjahr monatlich 10 Euro in ein Depot einzahlen. Starten soll sie zum 1. Januar 2027 mit den Geburtsjahrgängen 2020 und 2021. Das Gesetzgebungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen, die Regeln können sich also ändern.

Wie das Handwerk die Rentenpolitik der Koalition sieht, steht in unserem Beitrag zur Kritik des ZDH.

Checkliste: Altersvorsorgedepot

Premiumpresse

Checkliste: Altersvorsorgedepot

https://www.premiumpresse.de/altersvorsorgedepot-2027-reform-riester/ · Stand 5. November 2026

Vor dem Abschluss

Beim Vergleich

Mit Riester-Vertrag

Nach dem Abschluss

Dient der Orientierung und ersetzt keine Rechtsberatung.

Einordnung

Die Reform räumt mit zwei Schwächen von Riester auf: den hohen Garantiekosten und der komplizierten Zulageberechnung. Ein Selbstläufer ist sie trotzdem nicht. Ohne Garantie tragen Sparer das Kursrisiko selbst, die Steuer kommt später, und die Kosten entscheiden über einen großen Teil des Ergebnisses. Wer keinen Zeitdruck hat, sollte die Angebote im Lauf des Jahres 2027 in Ruhe vergleichen. Dieser Beitrag erklärt die Regeln und ist keine Anlageberatung.

Häufige Fragen

Ab wann gibt es das Altersvorsorgedepot?

Ab dem 1. Januar 2027. Laut Stiftung Warentest besteht kein Zeitdruck: Die Förderung lässt sich rückwirkend voll nutzen, wenn der Vertrag bis Dezember 2027 geschlossen wird.

Wie hoch ist die Förderung beim Altersvorsorgedepot?

Auf die ersten 360 Euro gibt es 50 Prozent, auf weitere Beiträge bis 1.800 Euro 25 Prozent. Das sind höchstens 540 Euro Grundzulage im Jahr. Dazu kommen bis zu 300 Euro je Kind.

Ist das Altersvorsorgedepot sicher?

Das Depot ohne Garantie unterliegt dem Kursrisiko, Verluste sind möglich. Wer mehr Sicherheit möchte, kann Garantieprodukte mit 80 oder 100 Prozent wählen. Das schmälert in der Regel die Renditechance.

Was wird aus meinem Riester-Vertrag?

Er läuft mit Bestandsschutz zu den bisherigen Bedingungen weiter und wird nicht automatisch umgewandelt. Ein Wechsel in die neue Förderung soll möglich sein, sollte aber vorher genau geprüft werden.

Was kostet das Altersvorsorgedepot?

Beim Standarddepot sind die Effektivkosten auf 1,0 Prozent im Jahr begrenzt. Bei anderen Angeboten bestimmt der Anbieter die Kosten. Vergleichen Sie deshalb die Effektivkosten, bevor Sie abschließen.

Quellen

Stand: 5. November 2026. Redaktion Premiumpresse. Der Abschnitt „Einordnung“ ist eine Einschätzung der Redaktion. Der Beitrag ersetzt keine Rechts- oder Finanzberatung.

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