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Nachrichten aus Wirtschaft und Mittelstand

Handwerk in der Konjunkturflaute: Geschäftsklima fällt um 13 Zähler, Preise auf Vierjahreshoch

Stand 6. November 2026 Handwerk Mit KI erstellt

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Der Umsatzindikator sank um 13 Zähler auf minus 12 Punkte, in allen Gewerkegruppen negativ.
  • Der Auftragsbestandsindikator fiel von minus 3 auf minus 15 Punkte.
  • Die Auftragsreichweite lag mit 8,7 Wochen fast auf Vorjahresniveau.
  • Nur 16 Prozent der Betriebe erhöhten ihre Investitionen, 33 Prozent senkten sie.
  • Der Mindestlohn steigt zum 1. Januar 2027 auf 14,60 Euro, das erhöht den Kostendruck bei einfachen Tätigkeiten.

Das Handwerk steckt tiefer in der Flaute: Der Geschäftsklimaindex fiel im zweiten Quartal 2026 um 13 Zähler auf 102 Punkte, der stärkste Rückgang in einem zweiten Quartal seit Beginn der Corona-Pandemie. Das meldet der Zentralverband des Deutschen Handwerks. Umsätze, Aufträge, Beschäftigung und Investitionen gingen zurück, die Preise zogen dagegen auf ein Vierjahreshoch an. Als Gründe nennt der Verband die Folgen des Konflikts mit dem Iran, schwache Industrie, den stockenden Wohnungsbau und verhaltenen Konsum. Für das zweite Halbjahr erwarten die Betriebe keine Besserung.

Tischler hobelt ein Eichenbrett an der Werkbank
Symbolbild, mit KI erzeugt.

Handwerkskonjunktur im 2. Quartal 2026

Die meisten Werte sind Saldo-Punkte. Sie geben an, ob mehr Betriebe von Zunahme oder von Abnahme berichten. Minus 12 heißt also nicht zwölf Prozent weniger Umsatz.

IndikatorWertVeränderung zum Vorjahr
Geschäftsklimaindex102 Punkteminus 13 Zähler
Umsatzminus 12 Punkteminus 13 Zähler
Absatzpreiseplus 28 Punkteplus 8 Zähler, Vierjahreshoch
Auftragsbestandminus 15 Punktevon minus 3 Punkten
Kapazitätsauslastung76 Prozentminus 1 Prozentpunkt
Auftragsreichweite8,7 Wochen8,6 Wochen im Vorjahr
Beschäftigungminus 7 Punkteminus 4 Zähler
Investitionenminus 17 Punkteminus 5 Zähler

Quelle: Zentralverband des Deutschen Handwerks, Kurzbericht 2. Quartal 2026, vom 28.08.2026

Warum das Geschäftsklima im Handwerk so stark fällt

Der Index bündelt die Bewertung der aktuellen Lage und die Erwartungen. Beides ging gegenüber dem Vorjahr stark zurück. Der Verband nennt mehrere Ursachen, die sich überlagern: Der Krieg zwischen den USA und dem Iran wirkt auf Energiepreise und Lieferketten. Die Industrie kauft weniger handwerkliche Vorleistungen. Der Aufschwung im Wohnungsbau lässt auf sich warten. Und der private Konsum bleibt wegen des schwachen Arbeitsmarkts und der Inflation verhalten.

Die Flaute ist also keine Schwäche eines einzelnen Gewerks. In allen Gewerkegruppen liegen die Umsatzindikatoren im negativen Bereich, und die Bewertung der Auftragslage hat sich überall verschlechtert.

Warum Handwerker teurer werden, obwohl Aufträge fehlen

Das wirkt zunächst widersprüchlich: weniger Nachfrage, aber höhere Preise. Der Absatzpreisindikator stieg um 8 Zähler auf 28 Punkte. Der ZDH erklärt das mit wieder steigenden Energie- und teils Materialkosten. Die Betriebe geben also Kosten weiter, nicht unbedingt höhere Gewinne. Wie viel Euro das bei einer einzelnen Rechnung ausmacht, sagt der Bericht nicht.

Zum 1. Januar 2027 steigt außerdem der gesetzliche Mindestlohn von 13,90 auf 14,60 Euro, und mit ihm die Minijob-Grenze von 603 auf 633 Euro. Auch die Beitragsbemessungsgrenzen steigen laut vorläufigen Zahlen deutlich, in der Kranken- und Pflegeversicherung auf 6.375 Euro im Monat. Das trifft die Lohnkosten mancher Betriebe unmittelbar.

Handwerkerrechnung: So viel erstattet das Finanzamt

Wer für Renovierung, Erhaltung oder Modernisierung im eigenen Haushalt einen Handwerker beauftragt, kann 20 Prozent der Aufwendungen von der Steuer abziehen, höchstens 1.200 Euro im Jahr. Das gilt nicht für öffentlich geförderte Maßnahmen, für die zinsverbilligte Darlehen oder steuerfreie Zuschüsse genutzt werden. Abziehbar sind nur die Arbeitskosten, nicht das Material. Sie brauchen eine Rechnung und müssen auf das Konto des Betriebs überweisen. Barzahlung zählt nicht.

Arbeitskosten im JahrSteuerermäßigung 20 Prozent
1.000 Euro200 Euro
3.000 Euro600 Euro
6.000 Euro1.200 Euro (Höchstbetrag)
8.000 Euro1.200 Euro

Quelle: § 35a Absatz 3 Einkommensteuergesetz; eigene Rechnung

Das Handwerk in Zahlen

Um einzuordnen, wie groß der Bereich ist: Der ZDH zählt rund 130 Berufe in der Handwerksordnung. Das Handwerk ist damit keine Nische, sondern ein Kern des Mittelstands.

KennzahlStand 2025Veränderung
Betriebe1.038.126nahezu unverändert
davon zulassungspflichtig (Anlage A)641.462minus 1,7 Prozent
davon zulassungsfrei (Anlage B1)286.223plus 4,0 Prozent
Umsatz ohne Mehrwertsteuerrund 783,2 Milliarden Eurokeine Angabe
Lehrlinge346.388minus 1,3 Prozent
Neue Ausbildungsverträge132.576plus 1,0 Prozent
Vorzeitig gelöste Ausbildungsverträge54.814minus 0,4 Prozent
Bestandene Gesellenprüfungen80.748minus 2,3 Prozent

Quelle: Zentralverband des Deutschen Handwerks, Kennzahlen 2025

Beschäftigung und Investitionen: Die Warnzeichen

Der Beschäftigungsindikator fiel um 4 Zähler auf minus 7 Punkte, mehr Betriebe bauten also Personal ab als auf. Das ist bemerkenswert in einer Branche, die seit Jahren über Fachkräftemangel klagt. Der ZDH hatte schon im Frühjahr mit einem Rückgang von rund 60.000 Beschäftigten im Jahr 2026 gerechnet, vor allem weil Ältere ausscheiden. Lesen Sie dazu unseren Beitrag zur Koalitionsbilanz.

Bei den Investitionen ist das Bild klarer: Nur 16 Prozent der Betriebe erhöhten sie, 33 Prozent senkten sie. Der Indikator liegt bei minus 17 Punkten. Wer heute nicht investiert, hat morgen ältere Maschinen und Fahrzeuge. Das wirkt lange nach.

Betriebsaufgaben, Ausbildung und Lohnanteil: Was hinter den Zahlen steckt

ZDH-Präsident Jörg Dittrich nannte im September ein Warnsignal: Mehr als 180.000 Betriebe wurden 2025 abgemeldet, nur 13 Prozent davon infolge einer Insolvenz. Die meisten schließen also nicht wegen einer Pleite. Die Zahl sagt für sich allein noch wenig, denn laut den Kennzahlen blieb der Bestand gleichzeitig fast gleich. Es kommen also auch viele neue Betriebe hinzu, oft in den zulassungsfreien Gewerken.

Bei der Ausbildung ist das Bild gemischt. Es gab etwas mehr neue Verträge, aber 54.814 vorzeitig gelöste und weniger bestandene Gesellenprüfungen. Die ausländischen Lehrlinge legten um 18,7 Prozent auf 56.286 zu, ohne sie wäre der Rückgang im Bestand größer. Das zeigt, wie stark der Nachwuchs inzwischen von Zuwanderung abhängt. Auch hier hilft ein Blick auf unseren Beitrag zur Westbalkanregelung.

Der Grund für die Empfindlichkeit bei Kosten liegt im Lohnanteil. Personalkosten machen im Handwerk laut Dittrich im Schnitt 60 Prozent der Gesamtkosten aus. Die Sozialabgaben liegen nach seiner Rechnung bei knapp 43 Prozent. Jeder zusätzliche Prozentpunkt koste Beschäftigte und Betriebe rund 20 Milliarden Euro, das bezieht sich auf die gesamte Wirtschaft. Wer in einem Friseursalon oder einer Bäckerei arbeitet, spürt das schneller als ein stark automatisiertes Werk.

Ausblick: Was die Betriebe für das zweite Halbjahr erwarten

Die Betriebe rechnen mit einer weiteren Eintrübung, weiteren Umsatzeinbußen und einer schlechteren Auftragslage. Sie wollen weniger Beschäftigte einstellen und weniger investieren. Als zusätzliches Risiko nennt der Bericht das Niedrigwasser auf deutschen Flüssen und die damit verbundenen Transportprobleme. Wichtig bleibt die Entwicklung im Nahen Osten.

Der Verband fordert von der Bundesregierung, offene Reformvorhaben zügig abzuarbeiten, damit die Mittel aus den Sondervermögen in selbsttragendes Wachstum übergehen. Andernfalls drohten weite Teile der Mittel wirkungslos zu verpuffen. Das ist die Position eines Interessenverbands, und sie nennt die Reformen nicht im Einzelnen.

Was Handwerksbetriebe jetzt prüfen sollten

Achtung

Preise

Prüfen Sie Angebote, die länger offen sind. Eine Klausel zu Materialpreisen oder eine kurze Bindefrist schützt vor Verlusten. Bei Verbrauchern gelten dafür enge Grenzen, fragen Sie im Zweifel Ihre Handwerkskammer.

Achtung

Löhne

Stellen Sie Ende 2026 die Lohnabrechnung um: Mindestlohn 14,60 Euro und Minijob-Grenze 633 Euro. Branchenmindestlöhne können höher liegen.

Gut zu wissen

Liquidität

Sinkende Auftragsbestände zeigen sich erst spät in der Kasse. Rechnen Sie die nächsten drei Monate durch und mahnen Sie offene Rechnungen früh an.

Gut zu wissen

Nachfolge und Ausbildung

Wenn Ältere ausscheiden, fehlen Leute auch nach der Flaute. Wer jetzt ausbildet, ist beim nächsten Aufschwung besser aufgestellt.

Einordnung

Der Rückgang ist deutlich, die Zahlen stammen aber aus einer Umfrage des Verbands unter seinen Betrieben. Salden zeigen die Stimmung und die Richtung, nicht exakte Prozentwerte. Auffällig ist die Mischung aus sinkenden Aufträgen und steigenden Preisen, und sie macht die Lage für Betriebe und Kunden gleichermaßen unbequem. Der Bericht stammt vom August. Die Zahlen für das dritte Quartal sollten wir nachtragen, sobald sie vorliegen.

Häufige Fragen

Wie steht es um die Konjunktur im Handwerk?

Der Geschäftsklimaindex des ZDH fiel im zweiten Quartal 2026 um 13 Zähler auf 102 Punkte, der stärkste Rückgang eines zweiten Quartals seit Beginn der Corona-Pandemie. Umsätze, Aufträge, Beschäftigung und Investitionen gingen zurück.

Warum werden Handwerker teurer?

Laut ZDH vor allem wegen steigender Energie- und teils Materialkosten. Der Absatzpreisindikator liegt auf einem Vierjahreshoch. Zum Jahreswechsel steigt auch der Mindestlohn auf 14,60 Euro.

Wie lange muss man auf einen Handwerker warten?

Die durchschnittliche Auftragsreichweite lag im zweiten Quartal 2026 bei 8,7 Wochen, fast wie im Vorjahr. Je nach Gewerk und Region kann das stark abweichen.

Wie viel Handwerkerkosten kann ich von der Steuer absetzen?

20 Prozent der Aufwendungen für Renovierung, Erhaltung und Modernisierung im eigenen Haushalt, höchstens 1.200 Euro im Jahr. Für öffentlich geförderte Maßnahmen mit zinsverbilligten Darlehen oder steuerfreien Zuschüssen gilt das nicht.

Wie hoch ist der Mindestlohn 2027?

Der gesetzliche Mindestlohn steigt zum 1. Januar 2027 von 13,90 auf 14,60 Euro brutto je Stunde. Die Minijob-Grenze steigt damit auf 633 Euro im Monat.

Quellen

Stand: 6. November 2026. Redaktion Premiumpresse. Dieser Beitrag wurde mit KI auf Grundlage der genannten Quellen erstellt, der Abschnitt „Einordnung“ ist eine Einschätzung der Redaktion. Er ersetzt keine Rechts- oder Finanzberatung.

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