Das Wichtigste auf einen Blick
- Für sechs der Bestände würden die Fänge auch für 2028 und teils 2029 festgelegt.
- Für südlichen Seehecht schlägt die Kommission minus 20 Prozent vor, für Rote Fleckbrasse in iberischen Gewässern minus 35 Prozent.
- Beim Europäischen Aal sollen die Maßnahmen wegen des kritischen Zustands bleiben, darunter eine sechsmonatige Schonzeit.
- Für Deutschland ist die Ostsee-Entscheidung vom Oktober oft wichtiger, siehe unseren Beitrag zum Hering.
Die EU-Kommission hat ihren Vorschlag für die Fangmöglichkeiten 2027 für elf von der EU bewirtschaftete Fischbestände im Atlantik, im Kattegat und im Skagerrak vorgelegt. Vorgesehen sind Erhöhungen zum Beispiel für Seeteufel um 22 Prozent und Kürzungen etwa für Seezunge im Golf von Biskaya um 15 Prozent. Grundlage sind Gutachten des Internationalen Rates für Meeresforschung. Beschlossen ist noch nichts, das entscheiden die Fischereiminister der Mitgliedstaaten.
Der Vorschlag im Überblick
| Bestand | Gebiet | Vorschlag |
|---|---|---|
| Seeteufel | iberische Gewässer | plus 22 Prozent |
| Stöcker | iberische Gewässer | plus 6 Prozent |
| Scholle | Kattegat | Verlängerung |
| Perlrochen | Golf von Biskaya, iberische Gewässer | Verlängerung |
| Seezunge | Golf von Biskaya | minus 15 Prozent |
| Südlicher Seehecht | westliche Gewässer | minus 20 Prozent |
| Rote Fleckbrasse | iberische Gewässer | minus 35 Prozent |
Quelle: Europäische Kommission, 05.11.2026; Auswahl, nicht alle elf Bestände
Wie Fangquoten in der EU entstehen
Der Internationale Rat für Meeresforschung ICES liefert jedes Jahr Gutachten. Für sechs Bestände empfahl er Fangbeschränkungen nach der höchstmöglichen langfristig nachhaltigen Ernte, also dem größten Fang, der sich auf Dauer entnehmen lässt, ohne die Erholung des Bestands zu gefährden. Für fünf Bestände mit weniger Daten gab er ein Vorsorgegutachten.
Die Kommission macht daraus einen Vorschlag, die Minister beschließen und teilen die Gesamtmenge in nationale Quoten auf. Dabei weichen sie auch ab, wie die Ostsee-Entscheidung im Oktober zeigte.
Was bedeutet höchstmöglicher Dauerertrag?
Der höchstmögliche Dauerertrag, englisch Maximum Sustainable Yield oder MSY, ist theoretisch der größte Fang, der einem Bestand auf unbegrenzte Zeit entnommen werden kann, ohne dass seine Größe unter den Wert seines stärksten Wachstums fällt. Es ist die Richtgröße der EU-Fischereipolitik. Die Reform von 2013 sah vor, Überfischung bis 2020 zu beenden. Nach einer Analyse der Pew-Stiftung lagen 2020 trotzdem 48 Prozent der Fanggrenzen über den wissenschaftlichen Empfehlungen, 2019 waren es 42 Prozent.
Wichtig ist die Grenze des Begriffs. MSY berücksichtigt externe Einflüsse wie den Klimawandel nur begrenzt. Beim Hering in der westlichen Ostsee argumentiert das Thünen-Institut, dass frühere Bestandsgrößen wegen wärmerer Winter gar nicht mehr erreichbar seien. Auch bei der Seezunge warnen Wissenschaftler, selbst ein Fang auf MSY-Niveau reiche womöglich nicht zur Erholung.
Warum Seezunge und Fleckbrasse gekürzt werden sollen
Bei der Seezunge im Golf von Biskaya ist die Biomasse seit mehreren Jahren zurückgegangen und nun niedrig. Die Kommission schlägt minus 15 Prozent vor. Wissenschaftler weisen darauf hin, dass selbst das Befischen auf dem Niveau der höchsten nachhaltigen Ernte, was minus 9 Prozent bedeuten würde, die Erholung möglicherweise nicht zulässt.
Bei der Roten Fleckbrasse beruft sich die Kommission auf Gutachten und Vorsorge. Beim südlichen Seehecht begrenzt der Mehrjahresplan die Abweichung, die Kürzung entspricht dem dort vorgesehenen Schritt.
Seeteufel: Was ist das für ein Fisch?
Unter dem Handelsnamen Seeteufel werden mehrere Arten der Gattung Lophius zusammengefasst. In der Küche heißt er auch Lotte. Er ist ein räuberischer Grundfisch, der halb eingegraben auf Beute wartet und sie mit einem angelartigen Flossenstrahl anlockt. Er kann bis zu zwei Meter lang werden. Nach der Roten Liste gilt die Art Lophius piscatorius in Europa als ungefährdet, das sagt aber nichts über jeden einzelnen Bestand. Die vorgeschlagene Erhöhung um 22 Prozent betrifft nur die iberischen Gewässer.
Seezunge und Seehecht: Was Käufer wissen sollten
Die Seezunge ist ein Plattfisch, der von Norwegen bis Senegal vorkommt, bedeutende Fanggebiete sind die südliche Nordsee, der Ärmelkanal, die Irische See und die Biskaya. Für die Art in Europa nennt die Rote Liste keine Gefährdung, der Bestand im Golf von Biskaya ist laut Kommission aber niedrig. Das Beispiel zeigt, warum es auf das Fanggebiet ankommt stärker als auf den Namen.
Unter dem Handelsnamen Seehecht werden sogar mehrere Arten aus aller Welt verkauft, vom Europäischen Seehecht bis zum Kap- oder Patagonischen Seehecht. Wer nachhaltig einkaufen will, sollte deshalb auf Art und Fanggebiet auf dem Etikett achten. Unabhängige Bewertungen einzelner Bestände bietet das Portal Fischbestände online des Thünen-Instituts.
Wolfsbarsch, Sardinen und Aal
Für Wolfsbarsch im Golf von Biskaya sollen Frankreich und Spanien weiter selbst Quoten festsetzen, die im Vorjahr vereinbarte Obergrenze von 3.884 Tonnen soll unter dem höchsten nachhaltigen Fang bleiben. Das soll auch den Pollack schützen, der dabei als Beifang anfällt. Frankreich, Spanien und Portugal sollen auch für weitere Bestände nationale Quoten festlegen dürfen, darunter Sardinen.
Beim Europäischen Aal bleibt es wegen des nach wie vor kritischen Zustands bei den Maßnahmen, darunter eine sechsmonatige Schonzeit und ein Verbot der Freizeitfischerei in Meeres- und Brackgewässern.
Einordnung
Bezeichnend ist der Abstand zwischen dem, was Wissenschaftler empfehlen, und dem, was Politik zulässt: Bei der Seezunge warnen sie selbst vor dem vorgeschlagenen Wert. Diese Einschätzung beruht allein auf der Mitteilung der Kommission, eine Stimme aus der Fischerei liegt uns nicht vor.
Häufige Fragen
Was schlägt die EU-Kommission für die Fangmengen 2027 vor?
Für elf Bestände im Atlantik, Kattegat und Skagerrak unter anderem plus 22 Prozent bei Seeteufel, minus 15 Prozent bei Seezunge im Golf von Biskaya und minus 35 Prozent bei Roter Fleckbrasse.
Wer entscheidet über die Fangquoten?
Die Fischereiministerinnen und -minister der EU-Staaten. Die Kommission legt auf Grundlage wissenschaftlicher Gutachten des ICES einen Vorschlag vor, die Minister können davon abweichen.
Was gilt beim Europäischen Aal?
Die Maßnahmen bleiben wegen des kritischen Zustands bestehen, darunter eine sechsmonatige Schonzeit und ein Verbot der Freizeitfischerei in Meeres- und Brackgewässern.
Was ist höchstmöglicher Dauerertrag?
Der größte Fang, der einem Bestand auf Dauer entnommen werden kann, ohne dass seine Größe unter den Wert des stärksten Wachstums fällt. Er ist die Richtgröße der EU-Fischereipolitik, englisch abgekürzt MSY.
Was ist ein Seeteufel?
Ein räuberischer Grundfisch der Gattung Lophius, der auch Lotte heißt und bis zu zwei Meter lang wird. Er lockt Beute mit einem angelartigen Flossenstrahl an.
Quellen
- Europäische Kommission, Pressemitteilung vom 05.11.2026
- Fischbestände online (Thünen-Institut): Seeteufel
- Fischbestände online (Thünen-Institut): Seezunge
- Pew: Was ist der höchstmögliche Dauerertrag?
- Pew: Analyse der EU-Fanggrenzen 2020
Stand: 6. November 2026. Redaktion Premiumpresse. Dieser Beitrag wurde mit KI auf Grundlage der genannten Quellen erstellt, der Abschnitt „Einordnung“ ist eine Einschätzung der Redaktion. Er ersetzt keine Rechts- oder Finanzberatung.


