Das Wichtigste auf einen Blick
- 82 Prozent bewerten ihren Zugang zu Finanzierung als gut oder ausreichend.
- Mehr investieren wollen trotzdem nur 24 Prozent.
- 79 Prozent spüren wachsenden Regulierungsdruck, nur 1 Prozent eine Entlastung.
- Asiatische Anbieter holen laut Studie bei Stalltechnik und Landmaschinen stark auf.
Führungskräfte der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft sehen ihr eigenes Unternehmen deutlich besser als ihre Branche. 72 Prozent sagen, ihr Betrieb habe sich 2026 wie erwartet oder besser entwickelt. Für den Sektor insgesamt sagen 58 Prozent das Gegenteil. So steht es in der Studie „Kursbestimmung Agrar & Ernährung 2026“ des Prüfungs- und Beratungshauses RSM Ebner Stolz und des Agrar- und Ernährungsforums Nord-West. Grundlage ist eine kleine Befragung von über 90 Entscheidern.
Kursbestimmung 2026 in Zahlen
Quelle: RSM Ebner Stolz und AEF Nord-West, 05.11.2026; über 90 Befragte
Geld ist da, die Investitionslust fehlt
Am auffälligsten ist der Abstand zwischen Finanzierung und Investition. Vier von fünf Unternehmen kommen nach eigener Aussage gut an Geld, nur knapp jedes vierte will mehr investieren. An knappem Kapital allein kann die Zurückhaltung also nicht liegen.
Die Studie selbst verweist auf den Regulierungsdruck: Entlastung sei beschlossen, komme aber nicht an. Einen Beleg, dass Vorschriften die Ursache der Investitionszurückhaltung sind, liefert die Befragung allerdings nicht. Sie fragt Einschätzungen ab.
Vor einem Jahr klang es noch schlechter
In der Vorgängerbefragung, dem Zukunftskompass, hatten vier von zehn Unternehmen ihre Lage als kritisch bezeichnet. Der befürchtete Einbruch ist laut den Autoren ausgeblieben, die strukturellen Probleme seien geblieben.
Dass der Blick auf den eigenen Betrieb besser ausfällt als auf die Branche, ist für sich genommen nicht überraschend: Über das eigene Unternehmen wissen Entscheider viel, über den Sektor urteilen sie auch nach Schlagzeilen.
Wie viele Höfe gibt es noch? Der Strukturwandel in Zahlen
Die Befragung spiegelt eine Branche, die seit Langem schrumpft und größer wird. Nach der Agrarstrukturerhebung 2023 des Statistischen Bundesamts gab es noch 255.000 landwirtschaftliche Betriebe, 7.800 oder 3 Prozent weniger als 2020. Auf den Höfen arbeiteten 876.000 Menschen, die durchschnittliche Fläche stieg von 63 auf 65 Hektar. Die bewirtschaftete Fläche blieb mit rund 16,6 Millionen Hektar fast gleich.
Der Rückgang hat sich verlangsamt: von durchschnittlich 4.700 Betrieben pro Jahr zwischen 2010 und 2013 über 3.200 bis 2020 auf 2.600 bis 2023. Von einem Höfesterben sprechen viele, die Zahlen zeigen eher einen langsamen, stetigen Umbau. Für den einzelnen Betrieb ist das wenig Trost.
Landwirtschaftliche Betriebe im Zeitverlauf
| Zeitraum | Rückgang im Jahr | Stand |
|---|---|---|
| 2010 bis 2013 | durchschnittlich 4.700 Betriebe | keine Angabe |
| 2013 bis 2020 | durchschnittlich 3.200 Betriebe | keine Angabe |
| 2020 bis 2023 | durchschnittlich 2.600 Betriebe | 255.000 Betriebe |
Quelle: Statistisches Bundesamt, Agrarstrukturerhebung 2023, nach top agrar
Stalltechnik und Landmaschinen: Konkurrenz aus Asien
Bei Stalltechnik und Landmaschinen holen asiatische Anbieter laut Studie massiv auf und drängen mit deutlich günstigeren Produkten auf den europäischen Markt. Internationalisierung ist dagegen nur für 5 Prozent der Unternehmen eine Priorität. Zahlen zu Marktanteilen nennt die Mitteilung nicht.
Was hinter der Sorge um die Branche steckt
Die Studie selbst nennt keine einzelnen Gründe für die schlechte Bewertung des Sektors. Andere Zahlen in unserem Archiv helfen weiter: Die Getreideernte 2026 fiel laut Bauernverband auf 41,9 Millionen Tonnen, Minister Rainer sprach von einer massiven Krise, und die Rentenbank stockte ihr Programm auf. Viele Betriebe könnten also gut dastehen und trotzdem die Lage ringsum als kritisch sehen. Diese Verbindung ist unsere Einordnung, nicht das Ergebnis der Befragung. Die Studie erschien pünktlich zur Fachmesse EuroTier.
Was Betriebe und Zulieferer daraus ableiten können
Gut zu wissen
Investitionen
Wenn Geld verfügbar ist, die Lust aber fehlt, lohnt ein Blick auf den Bedarf: Welche Anlage wird in drei Jahren ein Risiko? Warten kann teurer sein als investieren.
Gut zu wissen
Landmaschinen und Stalltechnik
Prüfen Sie bei günstigen Anbietern aus Asien Ersatzteile, Service und Zulassung, bevor der Preis entscheidet. Für Hersteller heißt das, Service und Nähe zu stärken.
Gut zu wissen
Vorschriften
79 Prozent spüren wachsenden Regulierungsdruck. Halten Sie fest, welche Pflichten wirklich Zeit kosten. Konkrete Beispiele helfen Verbänden mehr als allgemeine Klagen.
Einordnung
Die Stichprobe ist klein und stammt von einem Beratungshaus, das seine Dienste dieser Branche anbietet. Die Prozentwerte sind deshalb eher ein Stimmungsbild als eine Messung. Wie die Ernte 2026 tatsächlich ausfiel, lesen Sie in unserem Beitrag zum Liquiditätsprogramm.
Häufige Fragen
Wie schätzt die Agrarbranche ihre Lage 2026 ein?
In der Studie „Kursbestimmung 2026“ sagen 72 Prozent, ihr Unternehmen habe sich wie erwartet oder besser entwickelt. Für die Branche insgesamt sehen 58 Prozent das Gegenteil.
Warum investieren Agrarbetriebe so wenig?
Laut Studie wollen nur 24 Prozent mehr investieren, obwohl 82 Prozent ihren Zugang zu Finanzierung gut nennen. 79 Prozent berichten von wachsendem Regulierungsdruck. Einen ursächlichen Beweis liefert die Befragung nicht.
Wie belastbar ist die Studie?
Sie beruht auf über 90 Entscheidern, 15 Experteninterviews und einem Round Table. Herausgeber sind ein Beratungshaus und ein Branchenforum. Das ist ein Stimmungsbild, keine repräsentative Messung.
Wie viele landwirtschaftliche Betriebe gibt es in Deutschland?
Nach der Agrarstrukturerhebung 2023 waren es 255.000, 7.800 weniger als 2020. Die durchschnittliche Fläche stieg auf 65 Hektar. Der Rückgang hat sich zuletzt verlangsamt.
Quellen
- RSM Ebner Stolz und AEF Nord-West, Mitteilung vom 05.11.2026
- top agrar: 2023 gab es 7.800 Betriebe weniger als 2020
- top agrar: Nur noch 255.000 Betriebe, Situationsbericht
Stand: 6. November 2026. Redaktion Premiumpresse. Dieser Beitrag wurde mit KI auf Grundlage der genannten Quellen erstellt, der Abschnitt „Einordnung“ ist eine Einschätzung der Redaktion. Er ersetzt keine Rechts- oder Finanzberatung.


