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Zeitzeugin Beate Klarsfeld am HvB

Köln, Pressemitteilung vom 08.02.2012 09:25:33

Zeitzeugin Beate Klarsfeld am HvB

Am Hildegard-von-Bingen-Gymnasium in Köln liefen schon seit einigen Wochen Vorbereitungen für Freitag, den 13. Januar, an dem die Zeitzeugin Beate Klarsfeld einen Vortrag sowohl für die Schüler und Lehrer des Gymnasiums als auch für anwesende Elternteile hielt. Organisiert wurde die Veranstaltung von HvB-Kultur und Frau Weißhaar, einer Geschichtslehrerin des HvB-Gymnasiums.

Die Einführung in das Thema „Der Lischka-Prozess“ trugen zwei Schüler der Oberstufe vor.

Anschließend übergaben sie Beate Klarsfeld das Wort, die am Morgen aus Paris angereist war. Anwesend waren außerdem die Historikerin Anne Klein und Harry Dreifuss, der damals den Entführungsversuch von Kurt Lischka gefilmt hatte.

Frau Klarsfeld eröffnete eine Diskussionsrunde und erzählte von ihren Aktionen und der Hartnäckigkeit, mit der sie und ihr Mann Serge Klarsfeld den ehemaligen SS-Obersturmbannführer Kurt Lischka verfolgt hatten, um dafür zu sorgen, dass er sich einem Gerichtsprozess stellt.

Noch heute gibt es die verschiedensten Meinungen über die Bestrafung von Nazi-Verbrechern, doch Beate Klarsfeld und ihr Mann waren der festen Überzeugung, dass diese Menschen für deren Vergehen bestraft werden sollten. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges gab es viele Widerstände, welche Frau Klarsfeld und ihren Mann, welcher selbst Jude war, daran hinderten, ihrem Ziel, dem Streben nach Gerechtigkeit, näher zu kommen. So war es die Mentalität der meisten Menschen nach dem Krieg, nicht mehr an den Nationalsozialismus erinnert und stattdessen zum normalen Alltag zurückkehren zu wollen. Hinzu kamen die personellen Kontinuitäten zwischen der Zeit des NS und der Bundesrepublik. Das bedeutete, dass ganz Deutschland am nationalsozialistischen Regime beteiligt war und in der ganzen Gesellschaft und auch in politischen Ämtern ehemalige Nationalsozialisten saßen.

Diese versuchten nach Kräften, die strafrechtliche Verfolgung von NS-Verbrechen zu verhindern. Ein weiteres Hindernis waren die Gesetze, die es schwierig machten, jemanden zu verurteilen, der die tausendfachen Morde zwar angeordnet aber selbst keinen Menschen „eigenhändig“ getötet hatte.

Die Eheleute Klarsfeld gaben jedoch nicht auf und versuchten mit vielen verschiedenen Aktionen, die Aufmerksamkeit auf die NS-Verbrecher zu lenken, die ein normales Leben auf freiem Fuß führen konnten. Eine ihrer berühmtesten Aktionen ist die Ohrfeige, welche Frau Klarsfeld am 7. November 1968 beim CDU-Parteitag in Berlin Herrn Kiesinger mit den Worten: „Nazi, Nazi!“ gab. Daraufhin wurde Sie zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, was ihr Anwalt Horst Mahler jedoch auf vier Monate Haft auf Bewährung reduzieren konnte. Dies war nicht das einzige Mal, dass Beate Klarsfeld zu einer Haftstrafe verurteilt wurde; derartige Zwischenfälle und damit verbundene Rückschläge hinderten Sie jedoch nicht daran, an ihrem Glauben an die Gerechtigkeit festzuhalten.

Beate Klarsfeld ging während des Vortrags besonders auf den Entführungsversuch vom 22. März 1971 ein. An diesem regnerischen Tag versuchte Sie mit Hilfe ihres Mannes und jüdischen Bekannten, Kurt Lischka zu entführen, um ihn anschließend an die französischen Behörden zu übergeben, welche ihn hätten inhaftieren und verurteilen können, da Lischka in Frankreich nach Kriegsende in Abwesenheit zu lebenslanger Zwangsarbeit verurteilt worden war.

Im Nachhinein sagt Beate Klarsfeld, sie sei froh, dass diese Entführung damals nicht geklappt habe, da Kurt Lischka so später in Deutschland einen gerechten Prozess bekommen konnte.

Für viele ist Beate Klarsfeld mit ihrer Zielstrebigkeit noch heute ein Vorbild und eine wichtige Person in der Geschichte Deutschlands.

(Valerie B., 9b)

Quelle: http://www.hvb-gymnasium.de/menuitems/show_article/958?page_138=&cat_138=


Hildegard-von-Bingen-Gymnasium
Leybergstraße 1
50939 Köln


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