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Tierische Bevölkerungsexplosion: Die globale Zahl der Nutztiere hat inzwischen die 20-Milliarden-Grenze überschritten, schreibt das NOVO-MAGAZIN unter der Überschrift Fleisch essen statt Tiere schlachten. Über 1,3 Milliarden Rinder, fast eine Milliarde Schweine, 1,8 Milliarden Schafe und Ziegen sowie 13 Milliarden Hühner leben heute auf dem Planeten, zählt das Magazin das Ausmaß der Massentierhaltung auf. Die Fleischproduktion sei dabei auf dem Stand der frühen Fabrikationen stehen geblieben, die mit ihren Schloten und Abwässern hemmungslos Wälder und Flüsse ruiniere. Der Kauf von Bio-Fleisch hingegen fördere eine naturverträglichere Landwirtschaft. Kommentatorin Cornelia Kellinghusen-Schröder, die einen kleinen Bauernhof mit artgerechter Tierhaltung betreibt, wünscht sich ein geschärftes und realistisches Bewusstsein beim Fleischkonsum, das Mensch und Natur gerecht wird.
Ich stand vor der kleinen Schlachtstätte in einem kleinen bergischen Dorf und musste noch ein wenig warten, meine zwei Schweine lagen noch im Viehanhänger auf dem Stroh. Die Tore des kleinen Familienbetriebes standen weit offen und ließen den Blick auf die geschlachteten Schweine des Landwirtes vor mir zu. Neben mir standen zwei kleine Mädchen aus der Nachbarschaft und sahen sehr interessiert zu.
Warum machen denn die Männer die Schweine tot?, fragten sie mich.
Na ja, ihr esst doch auch mal ein Kotelett oder einen Braten, oder?, gab ich zu bedenken. Die Antwort hat mich dann umgehauen: Ja, aber wir essen nur normales Fleisch
Und der Strom kommt aus der Steckdose
Die beiden Mädchen haben wenigstens noch die Möglichkeit, zu lernen, woher ihr Braten kommt. Unsere Gesellschaft ist scheinheilig. Wie oft bin ich schon gefragt worden, ob es mir denn nicht schwer fällt, die niedlichen Lämmer zu schlachten, nein, das könnte ich ja nicht. Aber Fleisch essen können sie. Der Mensch ist seiner Natur nach Sammler und Jäger, also auch Fleischfresser wie viele Tiere. Schön ist das Töten der Tiere für mich auch bis heute nicht. Die Tränen treten mir jedoch nicht beim Schlachten in die Augen, sondern eher wenn ich ein Tier leiden sehe. Ich weiß, wie meine Tiere gelebt haben und was sie gefressen haben und ich weiß auch, wie sie gestorben sind, in der Regel stressfrei.
Und das Fleisch dieser Tiere schmeckt einfach besser. Das schönste Kompliment bekam ich von einem älteren Kunden, der mir sagte, das schmeckt ja so wie früher.
Mit meiner artgerechten Tierhaltung möchte ich dazu betragen, dass Fleischkonsum sehr bewusst stattfindet das heißt, dass jeder auch dazu bereit sein sollte für das Wohl der Tiere mehr dafür zu bezahlen als im Supermarkt.
Der Trend zu immer größeren landwirtschaftlichen Betrieben und Tierhaltungen ist leider überall zu spüren und wird wohl dazu führen, dass Fleisch von artgerecht gehaltenen Tieren völlig vom Markt verschwindet. Diese aktuelle Situation bietet der Bürokratie und der mächtigen Fleisch-Lobby einen willkommenen Vorwand, zu verwirklichen, was als Ziel des Ministeriums im Februar diesen Jahres schon formuliert wurde: die kleinen Schweine haltenden Betriebe aufzulösen. Ich werde die Schweinehaltung aufgeben, da mir die Behörden wegen vereinzelt auftretender Fälle von Wildschweinpest verbieten, meine Tiere artgerecht im Freien zu halten. Wenn eins meiner Tiere erkranken würde, wäre dies angeblich eine Katastrophe für die gesamte deutsche Schweinefleisch-Wirtschaft Die Lobby der Massentierhalter wirds freuen
Wenn es keine Tiere aus artgerechter Haltung mehr gibt, dann, aber nur dann, werde ich wohl auch zur Vegetarierin werden.
Über Cornelia Kellinghusen-SchröderCornelia Kellinghusen-Schröder, 1954 in Hamburg geboren, ist gelernte Grafik-Designerin und Illustratorin. In Lindlar bei Köln betreibt sie eine kleine Nebenerwerbslandwirtschaft mit alten Haustierrassen wie dem Angler Sattelschwein, dem Coburger Fuchsschaf, Hühnern, Enten und Gänsen.
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