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Buch-TIPP: Von wegen Traummann!: Roman

Von Henrike Heiland

Katzhütte, Pressemitteilung vom 13.03.2010 18:17:22

Buch-TIPP: Von wegen Traummann!: Roman




Wie werde ich ihn wieder los?

Alle Männer sind doch nur eine Mogelpackung. Davon ist Charlotte im erfahrenen und daher kritischen Alter von 30 Jahren überzeugt. Bis sie ihr Herz an einen verliert, der sie einmal wöchentlich mit Traumdinner und Traumsex verzaubert. Einziger Haken: Frank ist verheiratet. Trotzdem steht er wenig später mit Koffer vor ihrer Haustür. Was aber tun, wenn man doch auf das falsche Pferd gesetzt hat und der Traummann von Tag 1 zum Alptraum mutiert?

Charlotte Hansen: verliebt (gewesen) und hoffentlich bald Single.

Über den Autor
Henrike Heiland, Jahrgang 1975, arbeitete nach ihrem Studium der Neueren Englischen Literatur als Producerin für internationale TV-Koproduktionen in München. Heute lebt sie als freie Drehbuch-, Comedy- und Romanautorin in Hamburg. Sie schreibt Kriminalromane sowohl unter ihrem richtigen Namen als auch unter dem Pseudonym "Zoe Beck". "Von wegen Traummann" ist ihr erster Roman ohne Mord und Totschlag.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Meine Mutter konnte jedes Mal riechen, wenn ich Sex hatte. Sie roch es drei Straßen weiter in ihrer Wohnung. Spätestens wenn ich mir den BH aufmachte, nahm sie Witterung auf. Tastete ich nach den Kondomen neben dem Bett, griff sie zum Telefon und wartete. Kurz vorm Höhepunkt begann sie zu wählen. Und das Klingeln brachte mich natürlich komplett raus. Frank sagte dann immer, ich solle es einfach ignorieren. Aber das brachte überhaupt nichts, weil mein Anrufbeantworter anging, und wer will sich schon Mutters vorwurfsvolle Stimme im Nebenzimmer anhören, während man damit beschäftigt ist, wenigstens einmal, nur ein einziges Mal in dieser Woche einen Orgasmus herbeizuführen - und zwar keinen handgemachten? Ich hatte keine Ahnung, wie man die Mithörfunktion an meinem Anrufbeantworter ausstellte. Nach jedem Mutterdesaster nahm ich mir vor, Frank um Hilfe zu bitten, aber dann vergaß ich es wieder. Ich hatte auch schon überlegt, den Anrufbeantworter auszuschalten, wenn er da war. Daran hinderte mich aber neben meiner Vergesslichkeit mein schlechtes Gewissen. Mein schlechtes Gewissen hatte mir nämlich das Leben geschenkt, mich unter größten Entbehrungen ganz alleine großgezogen und litt nun an den Spätfolgen meiner unbarmherzigen Geburt. Aber das ist eine andere Geschichte. Zurück zum Sex. Wir kamen nach jedem Störfall doch noch dazu. Frank war einer dieser seltenen Männer, die für alles Verständnis haben und alles richtig machen. Er brachte zum Beispiel jedes Mal einen exzellenten Wein und bezaubernde Blumen mit, bestand auf Kerzenlicht, dachte selbst bei Fußballländerspielen nicht daran, mit Freunden in einer Kneipe zu sitzen statt mit mir auf dem Minibalkon, und ertrug ohne Murren die durchschnittlich einstündigen Anrufe meiner Mutter. (Sie telefonierte sonst nie so lange mit mir. Nur wenn er da war.) Frank schickte zu meinem Geburtstag ein Meer aus roten Rosen, und zum Einjährigen schenkte er mir Champagner und diese entsetzlich teure Handtasche, die ich mir schon so lange gewünscht hatte, aber niemals selbst hätte leisten können. Selbstverständlich war er auch im Bett große Klasse. Es war hingegen gar nicht selbstverständlich, dass er ausgerechnet mit mir zusammen war. War er in Wirklichkeit auch gar nicht. Seit eineinhalb Jahren trafen wir uns regelmäßig einmal in der Woche zu diesen Wein-Blumen-Essen-Sex-Abenden, manchmal blieb er auch über Nacht, aber das war selten. Frank war nämlich verheiratet. Es gibt so eine Phase im Leben vieler Frauen, zu denen auch ich gehörte, in der es uns egal ist, ob ein Mann verheiratet ist. Es ist uns nicht nur egal, wir finden es sogar großartig. Wir verdienen unser eigenes Geld und leben in unserer eigenen Wohnung, wir müssen uns von niemandem anhören, dass Nagellackentferner auf dem Küchentisch nichts zu suchen hat, dass die "Vogues" und "Cosmos" und "Brigittes" der letzten fünf Monate in einen Zeitungsständer gehören und dass unser Fernseher nicht den neuesten technischen Standards entspricht. Oder dass Schuhkartons nicht der richtige Ort für Steuerunterlagen sind. (Sie sind es.) Dass kein Mensch zwanzig Sonnenbrillen braucht und dass wir nicht jeden Tag netto fünfundvierzig Minuten mit Schlüsselsuchen verbringen müssten, hätten wir ein Schlüsselbrett im Flur. Deshalb sind verheiratete Männer genau das Richtige: Sie gehen wieder zu ihren uninteressanten Frauen, mit denen sie seit ungefähr siebeneinhalb Jahren keinen Sex mehr hatten (oder wie alt ihre Kinder auch immer sein mögen), und terrorisieren diese mit ihren Schlüsselbrettern. Wir können sogar mit einem anderen Mann eine Nacht verbringen - er würde es nie erfahren, und wir müssten es ihm nicht einmal erzählen. Wir müssten auch kein schlechtes Gewissen haben, denn woher wissen wir zuverlässig, dass er wirklich nicht mehr mit seiner Ehefrau schläft? Hat man eine Affäre mit einem verheirateten Mann, dann ist man Single, ohne wirklich Single zu sein, und bekommt aus beiden Welten das Beste. Diese wunderbare Phase im Leben der modernen, selbstständigen Frau endet jäh mit dem Tag, an dem sie nicht mehr mit dem üblichen Ausdruck von Schadenfreude an einer verzweifelten Mutter mit einem vor Kindergebrüll bebenden Buggy vorbeigeht. Der Tag, an dem sie in diesem Moment so etwas wie Leere empfindet. Interessanterweise ist das nicht zwingend ein untrügliches Zeichen für den drängenden Wunsch nach kreischendem Nachwuchs, sondern für den drängenden Wunsch nach einer festen Beziehung. Mit jemandem, der sich zu einem bekennt. Diese Frauen mit den nervtötenden Bälgern haben alle so einen Mann zu Hause. Er sitzt jeden Morgen mit ihnen am Frühstückstisch, statt sich nachts nach dem Sex aus dem Haus zu schleichen, und kommt jeden Abend zu ihnen nach Hause, statt einmal in der Woche kurz reinzuschauen. Dass er nebenher eine Affäre haben könnte, wird großzügig verdrängt. Das passiert nämlich nur anderen. Bei mir war diese Phase vorbei, als ich im Hanse-Viertel von einer Boutique in die nächste rannte, um meiner Mutter einen Kaschmirschal zu organisieren. Sie glaubte sich vage zu erinnern, dort einen gesehen zu haben, auch wenn ich mir nicht ganz erklären konnte, was sie dazu veranlasst haben mochte, sich mit ihrem Rheuma in das Gewusel von Geschäftsleuten und Touristen zwischen den hübschen kleinen Fleeten zu stürzen. Sie schwor auf ihre graue Straße mit den nie sanierten Häusern im hässlichsten Teil von Eimsbüttel, wo sie seit ihrer Geburt lebte. Was in ihr die Sehnsucht nach moderner Architektur und teuren Boutiquen ausgelöst haben könnte - ich würde es nie erfahren. Nach dem Grund für einen Kaschmirschal im Frühsommer fragte ich erst gar nicht. Mutters Rheuma war nämlich für so ziemlich alles eine Erklärung. Ich rannte also durch das Hanse-Viertel, fand zweieinhalb Stunden lang Halstücher, aber keine Schals, diskutierte mit sieben Verkäuferinnen, bis sie mich ins Lager ließen, damit ich mich höchstpersönlich von der Abwesenheit der Kaschmirschals überzeugen konnte, und ließ mich erschöpft mit meinen gefüllten Einkaufstüten (ungeplante Schnäppchen) auf den letzten freien Stuhl in einem Café sinken. Zunächst war alles wie immer. Die ersten Minuten verbrachte ich damit, der Bedienung zu erklären, dass ich nur dann ein Wasser mit Eis und Zitrone erwartete, wenn ich ein Wasser mit Eis und Zitrone bestellt hatte. Dann überschlug ich rasch, wie viel Geld ich insgesamt in den Boutiquen gelassen hatte.



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