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Wissensdrang und Neugier sind zentrale Motive des Pornokonsums
So alt wie die Pornographie ist, so alt ist auch der Grundsatz, dass diese in den Händen von Kindern und Jugendlichen nichts verloren hat.
Peter Stone
Der renommierte Sexualwissenschaftler Kurt Starke veröffentlichte vor kurzem, durch den Auftrag der Huch-Medien Gruppe, erstmalig eine wissenschaftlich fundierte Expertise darüber dass -einfache Pornographie nicht jugendgefährdend ist. Ein wissenschaftlicher Beweis, der eigentlich zum Umdenken anregen sollte. Laut Starke ist die, von Jugendmedienschützern angeführte Debatte über den negativen Einfluss von Pornographie eine beliebige Fiktion ohne wissenschaftliche Substanz Tobias Huch, stellvertretender Chefredakteur des PO-Magazins und Geschäftsführer der Huch-Medien GmbH, hat das Gutachten in Auftrag gegeben und leitet daraus seine Forderung nach einer Abschaffung des Verbots der Verbreitung einfacher Pornographie im Strafrecht, sowie im JMStV (Jugendmedienstaatsvertrag) ab. -Der größte Irrtum ist, dass Pornos auf hirnleere Jugendliche treffen, und sie für das Leben versaut werden.- Auch die größte Jugendzeitschrift -ravo stellt sich bei der derzeitigen Diskussion auf die Seite der Heranwachsenden. -Wir spüren, dass Jugendliche mit Pornos sehr differenziert umgehen-.
Jugend ist anders als öffentlich wahrgenommen, oder allgemein vermutet oder medial inszeniert. Die kostbaren Güter Jugend, Jugendliebe und Jugendsexualität fallen einer seltsamen Verleumdung anheim, in der Konsequenz mit Demütigung von Jugendlichen und Verdammung von Jugendsexualität verbunden. Dem setzen Jugendliche ihren eigenen Begriff von Sexualität, ihre Liebe und ihre Lust entgegen.
Zur Person Prof. Dr. habil. Kurt Starke.
Lust, Liebe, Leidenschaft. Die Dinge, die uns alle tagtäglich in unserer oft unsortierten Gefühlswelt immer wieder beschäftigen, sind sein Fachgebiet. Der Leipziger Sexual- und Jugendforscher führte über 30 empirische Untersuchungen mit unter über 80 000 Personen in den vergangenen 40 Jahren durch. Dabei kamen erstaunliche Erkenntnisse unter seiner wissenschaftlichen Aufsicht zu Tage. Ergänzend studierte Starke, während seiner Tätigkeit am Leipziger Zentralinstitut für Jugendforschung, unser Beziehungsverhalten und kam zu der Erkenntnis, dass sich unser Sexualverhalten wandeln kann. Der Beginn eines sehr aufschlussreichen Interviews ...
PO: Mit Ihrer Expertise unterstützen Sie die These, dass von sogenannter -einfacher Pornographie- keine Jugendgefährdung ausgehe. Für Laien: Wo ist die Grenze zwischen einfacher Pornographie zu ziehen und solcher, die nicht mehr unter -einfach- rangiert-
K.Starke: Diese Grenze ist fließend und wird subjektiv gezogen. Beispielsweise wird sie von männlichen Jugendlichen weiter verstanden als von weiblichen Jugendlichen. Allgemein besteht Konsens darüber, dass Gewaltpornos, Kinderpornografie, Ekelpornos, Sodomiepornos, Selbstverstümmelungspornos und ähnliches nicht zur einfachen Pornographie gehören. Solche Formen sexuellen Verhaltens werden gesellschaftlich absolut nicht toleriert, und auch individuell lehnen sie die allermeisten Menschen ab. Sofern genau bestimmt werden kann, was dargestellt wird und wie es dargestellt wird, lässt sich schon eine Grenze zwischen -einfacher- und -nichteinfacher- Pornografie ziehen.
PO: Was ist durch eine solche Grenzziehung gewonnen-
K.Starke: Eine Differenzierung, dass nicht alle explizit sexuellen Darstellungen in einen Topf geworfen werden. Und dass diejenigen, die Pornos an- oder verbieten, eine gewisse Orientierung haben.
PO: Halten Sie ein gestaffeltes Jungendschutzsystem für Pornographie für sinnvoll, wie es beispielsweise die FSK-Prüfung für Kinofilme gewährleistet-
K.Starke: Ich kann mit solchen Klassifizierungen nichts anfangen, sie stören mich aber auch nicht. Meine Forschungen zeigen, dass solche Einordnungen, beispielsweise eine bestimmte Altersgrenze, künstlich sind und kaum praktische Bedeutung haben, jedenfalls für die Nutzer nicht, sie umgehen sie einfach. Aus einer Indizierung können Jugendliche erkennen, was bestimmte Erwachsene ihnen vorenthalten wollen. Das ist eine Anti-Wertvorgabe, reizt aber nicht selten dazu, sich gerade den indizierten Werken zuzuwenden. Wenn Anbieter von Pornografie im Sinne des Jugendschutzes freiwillig Altersgrenzen angeben, ist nichts dagegen einzuwenden, das kann für sie ja auch eine gewisse Absicherung sein. Um diejenigen zu schützen, die nicht unversehens mit bestimmten Inhalten konfrontiert werden möchten, sind Warnschilder im Internet sicher sinnvoll. So etwas gibt es ja auch im wirklichen Leben: -Achtung Schlagloch- oder -Vorsicht bissiger Hund- Das Problem ist nur, dass man ein Schlagloch genau definieren kann, Pornografie aber nicht. Und vor Sex schlechthin zu warnen, ist irgendwie auch abseitig. Aber ich schließe nicht aus, dass Warnschilder und vielleicht auch Klassifizierungen die Pornodebatte entlasten könnten.
PO: Ab welchem Alter würden Sie Ihren eigenen Kindern erlauben, nach Belieben Pornographie zu konsumieren und warum-
K.Starke: Als meine Kinder im Kindesalter waren, war diese Frage weitgehend irrelevant: Pornografie war nicht im Angebot. Wenn man Pornografie als Gift betrachtet, versucht man selbstverständlich seine Kinder davor zu bewahren, eigentlich auch seinen Partner, seine Eltern, alle Menschen und natürlich sich selber. Nikotin ist immer schlecht, auch wenn man für den Besitz von Nikotin nicht bestraft wird und bestimmte soziokulturelle Gepflogenheiten, einmal vorhanden, nicht so schnell aufgegeben werden können. Sex ist aber nicht per se Gift. Ich habe es immer als eigenartig empfunden, wenn Bücher sexuellen Inhalts im Giftschrank landen. Erziehung bedeutet einen offenen Umgang mit dem Thema Sexualität. In der Sexualerziehung gibt es zwar eine Altersangemessenheit, aber keine prinzipielle Altersgrenze. In der Sexualerziehung kann es eigentlich kein -zu früh- geben, sondern höchstens ein -zu spät.- Wenn Kinder Fragen stellen, dann wird mit ihnen gesprochen, seien sie nun fünf oder 13 Jahre alt. Die meisten Pornos sind für Kinder ohne jedes Interesse noch langweiliger als das Kapitel von Marx. Und wenn sie doch irgendwie darauf stoßen, dann braucht niemand in Erklärungsnot zu geraten. Das wichtigste besteht darin, seine Kinder zu selbständigen, ethisch anspruchsvollen, fantasievollen Persönlichkeiten zu erziehen, die liebesfähig und lustfreundlich sind, die das Leben sinnlich genießen können und schließlich selbst und verantwortungsbewusst entscheiden können, was sie tun oder lassen. Sie brauchen in ihrer eigenen Liebe und in ihrer eigenen Sexualität den Vormund des Staates nicht, auch nicht in Gestalt der Eltern.
PO: Glauben Sie, dass von einfacher Pornographie im Gegensatz zu der unterstellten Jugendgefährdung sogar eine aufklärerische Wirkung ausgehen kann-
K.Starke: Jedenfalls suchen das viele Jugendliche in der so genannten einfachen Pornografie. Wissensdrang und Neugier sind zentrale Motive des Pornokonsums. Je niveauvoller die Angebote sind, umso besser für die Aufklärung. Jugendliche selektieren schnell und wenden sich von dem ab, was ihnen nicht gefällt. Man kann die beste Sexualaufklärung mit dem Hammer Pornografie totschlagen - und das wird immer wieder versucht, in der ganzen Welt, vielleicht in Deutschland noch relativ selten - und man kann die besten Erotika mit dem moralistischen Vorwurf beschmutzen, sie gefährdeten -unsere- Jugend.
Das komplette Interview steht in der aktuellen Ausgabe des PO Magazins das seit dem 11.07.2010 in jedem gut sortiertem Zeitschriftenhandel erhältlich ist.
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www.pomagazin.com
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