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Auch Haustiere sind Opfer der Wirtschaftskrise: Finanzielle Unsicherheit, steigende Arbeitslosigkeit und Hartz IV führen dazu, dass immer mehr Tierbesitzer ihre Vierbeiner in Tierheimen abgeben. Die Lage der 519 Tierheime in Deutschland spitzt sich zu, berichtet DER WESTEN. Während die Belegung der Heime weiter steige, nehme gleichzeitig die Spendenbereitschaft für die Tierheime kontinuierlich ab. Dies belege eine vom Deutschen Tierschutzbund in Auftrag gegebene repräsentative Umfrage. Wenn dies so weiter gehe, könne der deutsche Tierheimbetrieb nur noch 16 Monate auf dem jetzigen Niveau weitergeführt werden, schreibt DER WESTEN. Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, beschreibt heute im Tagebuch, warum er einen Gesellschaftspakt Tierschutz für geboten hält.
Ein Tier kostet Geld Futter, Unterhalt und vor allem Tierarztkosten für Impfungen und Behandlungen wollen bezahlt sein. Wir raten deshalb auch immer dazu, diese Kosten gut zu überdenken, bevor ein Tier angeschafft wird. Sich gut zu überlegen, ob man sich ein Tier anschaffen möchte: Hat man alle Kostenpunkte durchdacht? Können im Notfall Verwandte und Bekannte einspringen sei es als Betreuer oder auch einmal finanziell? Doch selbst wenn alle diese Punkte gut durchdacht sind eine Wirtschaftskrise derzeitigen Ausmaßes lässt sich nicht vorhersehen.
Die Tierheime spüren die wirtschaftliche Not in der Bevölkerung nicht erst seit vergangenem Jahr. Schon seit der Einführung von Hartz IV im Jahr 2005 werden immer mehr Tiere aus finanziellen Gründen abgegeben. Das Arbeitslosengeld II machte es vielen unmöglich, ein Tier zu halten: Die Tierhaltung spielt bei der Bemessung der Sozialleistungen keine Rolle. Tiere können deshalb auch nicht als Begründung für die Beibehaltung der Wohnung herangezogen werden der Tierhalter kann gezwungen werden, in eine kleinere Wohnung umzuziehen. Oft sind Tiere in diesen Wohnungen nicht erlaubt. Hinzu kommt, dass von der derzeitigen Regelleistung für Alleinstehende von 351 Euro auch Hund, Katze oder Kleintier leben müssen. Eine Katze oder ein Hund kosten jedoch leicht 40 bis 60 Euro pro Monat. Ein Tierhalter gelangt dann schon bald an seine Grenzen.
Diese schwierige finanzielle Situation hat sich durch die Finanz- und Wirtschaftskrise massiv verschärft. Die Arbeitslosenzahlen steigen, das Geld reicht nur für das Nötigste. Die Tiere bleiben dabei leider allzu oft auf der Strecke. Eine Kettenreaktion die schließlich auch die Tierheime trifft.
Fast 70 Prozent der Tiere werden mittlerweile mit der Begründung finanzielle Not in unseren Tierheimen abgegeben. Im Vergleich zum Vorjahr ist das eine Zunahme um 26 Prozent. Vor allem Hunde werden zu Opfern der Finanzkrise: 85 Prozent der ins Tierheim gebrachten Hunde gaben deren Halter aus finanziellen Gründen ab. Danach folgen Katzen (56 Prozent) und Kleintiere (15 Prozent).
Die Zahl der Neuzugänge in den Tierheimen steigt gleichzeitig verschärft sich aber die Vermittlungssituation. Insbesondere Hunde warten länger auf ein neues Herrchen oder Frauchen. Bei über der Hälfte der Tierheime haben sich außerdem die Futter- und Tierarztkosten erhöht. Die Rücklagen, um diese Mehrbelastungen aufzufangen, sind sehr begrenzt, wenn überhaupt vorhanden. Und das Spendenaufkommen sinkt 62 Prozent der Tierheime sind davon bereits betroffen.
Die Tierheime befinden sich durch die Wirtschaftskrise in einem Teufelskreis: Immer mehr Tiere werden abgegeben, die Kosten steigen, die Einnahmen sinken. Dringend erforderliche Erweiterungen der Einrichtungen, um dem Tierboom zu begegnen können schon gar nicht realisiert werden. Dieses Problem können die Tierheime, kann der Deutsche Tierschutzbund, nicht alleine bewältigen. Deshalb haben wir bei den führenden Politikern in Deutschland angeregt, einen Runden Tisch einzuberufen, um mit allen beteiligten Instanzen Bund, Länder und Kommunen eine Lösung für die schwierige Situation der Tierheime herbeizuführen. Die Tierheime übernehmen mit der Betreuung ausgesetzter und abgegebener Tiere eine staatliche Aufgabe. Der Staat verschiebt aber immer mehr Aufgaben auf den ehrenamtlichen Tierschutz, ohne sicherzustellen, dass dieser auch in der Lage ist, sie zu bewältigen.
Meine dringende Bitte ist, den Tierheimen im Rahmen eines Gesellschaftspaktes Tierschutz mindestens 15 Millionen Euro kurzfristig zur Verfügung zu stellen. Für ältere Menschen und sozial schwache Personen sind Tiere oft die letzte Brücke in die Gesellschaft. Wir sollten ihnen diesen Zugang nicht verschließen auch hier bedarf es einer Korrektur der Sozialgesetzgebung.
Über Wolfgang ApelWolfgang Apel, geboren 1951, ist Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Er kämpft bereits seit vielen Jahren für den Tierschutz: Seit 1995 als Präsident, zuvor als Vizepräsident und seit 1978 im Gesamtvorstand des Deutschen Tierschutzbundes. Seit damals ist er auch ehrenamtlicher Vorsitzender des Bremer Tierschutzvereins. Vorstand und Präsident des Tierschutzvereins für Berlin und Umgebung Corporation wurde er 1990. Bereits seit 1987 ist Wolfgang Apel Mitglied der Tierschutzkommission des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Eigene Haustiere hat der Bremer wegen seines engen Terminkalenders und seiner vielen Reisen nicht, er freut sich aber über den häufigen Kontakt zu den Heimtieren, für die er sich einsetzt.
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