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Ein Neues Logo für gentechnikfreie Lebensmittel, das Anfang der Woche von der Landwirtschaftsministerin vorgestellt wurde, soll die Kennzeichnung von gentechnikfreien Lebensmitteln vereinheitlichen und den Verbraucherinnen und Verbrauchern die Suche erleichtern: Das Label, das aus einem grünen, auf die Ecke gestellten Quadrat mit den Worten Ohne Gentechnik und einer stilisierten Pflanze besteht, wird voraussichtlich im Herbst in den Geschäften auftauchen. Von Gentechnik-Lobbyisten wird es als Verbrauchertäuschung attackiert und sorgt für Wirbel in der Branche. Heike Moldenhauer als Gentechnikexpertin kommentiert die geplante Einführung des Siegels, in das sie trotz erheblicher Lücken Vertrauen setzt.
Bei den Verbrauchern kommt das neue Logo gut an. 78 Prozent der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger halten es einer Forsa-Umfrage vom April 2009 zufolge für sinnvoll, 73 Prozent von ihnen würden sich bei einer Kaufentscheidung daran orientieren. Ein einheitliches und offizielles Siegel, so die Idee, erkennen Verbraucher schneller wieder und es schafft Vertrauen. Hersteller und Handel hingegen soll es unter Druck setzten, von der bereits seit Mai 2008 möglichen freiwilligen Kennzeichnung endlich lebhaft Gebrauch zu machen. Denn bisher ist das Engagement der Unternehmen eher mau. Rühmliche Ausnahmen sind Tegut aus Hessen und der Molkereikonzern FrieslandCampina.
Doch warum soll auf Produkten draufstehen, was nicht drin ist? Das liegt an den Schwächen des EU-Rechts. Danach sind nur gentechnisch veränderte Futtermittel kennzeichnungspflichtig, nicht aber die aus Tieren gewonnenen Produkte wie Milch, Fleisch und Eier. Nur Landwirte wissen, was sie an ihre Tiere verfüttern, VerbraucherInnen erfahren nichts davon. Das wiegt schwer, wenn man bedenkt, dass 75 bis 80 Prozent aller Gentech-Pflanzen ins Tierfutter wandern. Damit können VerbraucherInnen ausgerechnet das Marktsegment, in dem das Gros gentechnisch veränderter Pflanzen verwertet wird, mit ihrem Kaufverhalten nicht beeinflussen.
Diese Kennzeichnungslücke wird die EU in absehbarer Zeit nicht schließen. Deshalb bleibt den Mitgliedsstaaten nur, eigene Gesetze zu erlassen. Das Logo ohne Gentechnik garantiert, dass die Tiere den größten Teil ihres Lebens keine Gentech-Pflanzen im Trog hatten und Lebens- und Futtermittel tierischer oder pflanzlicher Herkunft keine gentechnisch veränderten Organismen enthalten.
Tiere ohne Gentech-Pflanzen im Trog für den Deutschen Bauernverband und etliche andere mächtige Freunde der Gentechnik offenbar ein Graus. Und deshalb Anlass, das Label immer wieder schlecht zu reden. Ihre Befürchtung: Hierzulande bildet sich ein Markt für gentechnikfreie Futtermittel heraus, Deutschland als größtes Mitgliedsland setzt Maßstäbe für die gesamte EU. Denn die Erfahrung lehrt: Wo Gentechnik sichtbar wird, verschwindet sie vom Markt. Wenn Unternehmen in die ohne Gentechnik-Kennzeichnung einsteigen und VerbraucherInnen die Wahl haben, wird Gentech-Ware unverkäuflich.
Bisher wird der Futtermittelmarkt von Gentech-Produkten dominiert, weil gentechnikfreie Ware teurer ist. Denn die Kosten für die Sicherung der gentechnikfreien Produktion tragen die, die keine Gentechnik wollen. Sie müssen für den Aufbau einer eigenen Logistik bei Verarbeitung, Transport und Lagerung aufkommen. Und zwar vom Anbauland über das Futtermittelwerk bis zur Lieferung an die Bauern. Bauern kaufen oftmals das billigere Gentech-Futtermittel aus wirtschaftlichen Erwägungen, nicht weil sie der Gentechnik gewogen sind.
Je mehr gentechnikfreie Futtermittel die deutsche Lebensmittelwirtschaft nachfragt, desto mehr und desto kostengünstigere Anbieter wird sie finden. Die Folgen: Der Futtermittelmarkt wird umgekrempelt, die Flächen, auf denen gentechnisch veränderte Pflanzen wachsen, werden weniger. Ein Herzensanliegen von mir als Umweltschützerin.
Aber die deutsche Lebensmittelwirtschaft mauert. Edeka, Lidl, Rewe, Aldi keiner wagt sich aus der Deckung. Denn es würden plötzlich als ohne Gentechnik gekennzeichnete Produkte neben vergleichbaren ungekennzeichneten stehen. Damit würde sichtbar, dass die gesamte Branche ihren KundInnen über Jahre Ware verkauft hat, bei deren Herstellung Gentech-Pflanzen im Spiel waren. Kein leichtes Eingeständnis gegenüber einer Bevölkerung, von der rund 80 Prozent sagen: Ich will keine Gentechnik auf dem Teller.
Über Heike MoldenhauerHeike Moldenhauer, Jahrgang 1964, Studium der Philosophie und Germanistik an der Freien Universität Berlin leitet den Bereich Gentechnikpolitik beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) e.V..
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