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Sonnleitner: Bauern sind Schlüssel zur Sicherung der Welternährung

Düsseldorf, Pressemitteilung vom 12.06.2002 13:36:00

Sonnleitner: Bauern sind Schlüssel zur Sicherung der Welternährung

Welternährungsgipfel in Rom Berlin, den 12.06.2002 - "Nur mit den Landwirten und ihren Familien ist das politisch hochgesteckte Ziel zu erreichen, die Zahl der hungernden Menschen bis 2015 zu halbieren." Mit dieser Feststellung eröffnete der Präsident des europäischen Bauernverbandes COPA und des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Gerd Sonnleitner, im Beisein des FAO-Generaldirektors Jacques Diouf seine Rede bei einer Veranstaltung der italienischen Bauernverbände anlässlich des Welternährungsgipfels in Rom. Zugleich bemängelte Sonnleitner, dass die FAO die Landwirte und ihre Organisationen nicht enger in die offizielle Konferenz eingebunden habe. Es sei zu befürchten, dass die Zahl von 800 Millionen hungernden Menschen weiter steigen wird.
 
Denn in den vergangenen 40 Jahren habe sich die Weltbevölkerung verdoppelt und die Produktion von Nahrungsmitteln mit dem Wachstum der Bevölkerung nicht Schritt halten können. Diese Entwicklung müsste alle Politiker alarmieren, betonte der COPA-Präsident. Als Schlüsselfaktoren für eine produktive Landwirtschaft nannte Sonnleitner mehrere Grundvoraussetzungen: Das Recht der Bauern auf Eigentum, funktionierende Märkte für Boden und Kapital und einen Schutz- und Regelungsrahmen für die heimischen Märkte. Die Förderung von Bildung und Infrastruktur im ländlichen Raum, die Verbesserung der sozialen Sicherung, der Aufbau unabhängiger Bauernverbände und genossenschaftlicher Selbsthilfeeinrichtungen seien weitere Voraussetzungen. "Ich habe den Eindruck, dass dies vielerorts auf der Welt nicht oder immer noch nicht realisiert ist und von den politischen Eliten teilweise verhindert wird", kritisierte Sonnleitner.
 
Genau diese Faktoren seien in Europa der Auslöser für die Entwicklung freier, selbstbewusster und erfolgreicher Landwirte gewesen. Damit einher gegangen seien eine Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität und ein sozial erträglicher Strukturwandel. Sonnleitner wies darauf hin, dass die Spannungen zwischen dem Produktionsdruck und den ökologischen Anforderungen an die Landwirte weltweit zunehmen. In den Industrieländern, besonders in Europa, stagniere die Nachfrage nach möglichst preisgünstigen Nahrungsmitteln bei gleichzeitig höheren Qualitätsanforderungen. In den Entwicklungsländern bestehe ein wachsender Bedarf an Nahrungsmitteln.
 
Zwischen diesem ökonomischen Druck einerseits und den steigenden ökologischen Anforderungen andererseits müsse ein Ausgleich geschaffen werden, forderte Sonnleitner. Ökonomie und Ökologie seien keine Gegensätze. Nur ökonomisch erfolgreiche Betriebe könnten auch ökologisch nachhaltig wirtschaften. Vor allem die jungen Menschen auf dem Land müssten für die Entwicklung einer ländlichen Kultur und einer Selbständigkeit in der Landwirtschaft gewonnen werden, sagte der COPA-Präsident. Ausgehend von nachhaltig wirtschaftenden Betrieben und sich entwickelnden lokalen Märkten könne der Aufbau einer nachhaltigen, regionalen Agrarproduktion gelingen. Die alte RaiffeisenIdee sei gerade auch für Entwicklungsländer hochmodern und eine große Herausforderung.
 
Unabhängige Bauernverbände, die für gemeinsame Interessen kämpften, seien ein wichtiges Regulativ in dieser Entwicklung. Mit regionalen Handelsabkommen und mit einer Berücksichtigung der Belange der Entwicklungsländer bei den WTO-Verhandlungen müsse dieser Prozess politisch unterstützt werden. Die EU sei den Entwicklungsländern bereits weit entgegengekommen. Der Vorwurf einer "Festung Europa" sei schlicht falsch; betonte Sonnleitner. Die Forderung nach einer bloßen Deregulierung der weltweiten Agrarpolitik jedoch der falsche Weg.
 
Gerade bei den Produkten, bei denen die Entwicklungsländer wettbewerbsfähig seien, zum Beispiel Bananen, Tabak und Kakao, würden die heimischen Landwirte nicht angemessen an den Erlösen beteiligt. Ausländische Konzerne und Händler machten die Geschäfte. Hier fehle es keineswegs an Zugang zu den Märkten, hier fehle es an berufständischen Organisationen, die für die Belange der Bauern eintreten könnten.   Autor: Deutscher Bauernverband Rückfragen an: DBV-Pressestelle Adresse: Reinhardtstraße 18; 10117 Berlin Telefon: 030 31904-239 Fax: 030 31904-431 Copyright: DBV Berlin - Ver?ntlicht von pressrelations.


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