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Öffentliche Haushalte 2003/2004: Fehlbeträge steigen weiter - Entspannung nicht in Sicht

Düsseldorf, Pressemitteilung vom 04.09.2003 17:05:00

Öffentliche Haushalte 2003/2004: Fehlbeträge steigen weiter - Entspannung nicht in Sicht

Für dieses und das nächste Jahr ist keine Entspannung der Finanzlage der öffentlichen Haushalte in Sicht - im Gegenteil: Der aktuelle Wochenbericht des DIW Berlin 36-37/2003 schätzt das Defizit bei Bund, Ländern und Gemeinden in diesem Jahr auf 80 Mrd. Euro (in Abgrenzung der Finanzstatistik); dies sind 20 Mrd. Euro mehr als 2002. Im nächsten Jahr dürfte der Fehlbetrag mit 87 Mrd. Euro noch höher ausfallen, wenn die dritte Stufe der Steuerreform auf 2004 vorgezogen wird.
 
Legt man die Abgrenzung der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung bei der Schätzung zugrunde, die für die Errechnung des Defizits gemäß Maastricht relevant ist, so errechnen sich für beide Jahre Defizitquoten von jeweils 4,3 % des nominalen Bruttoinlandsprodukts, d.h. Defizitgrenze und Defizitziel werden abermals weit verfehlt. Auch die Grenze für den Schuldenstand (60 %) wird mit voraussichtlich 64 % bzw. 67 % deutlich überschritten. In diesem Jahr werden die Ausgaben der öffentlichen Haushalte um 3,2 % erhöht, während die Einnahmen geringfügig sinken. Für 2004 werden ein Rückgang der Einnahmen um 1,4 % und stagnierende Ausgaben für wahrscheinlich gehalten.
 
Bereinigt um den konjunkturellen Einfluss - Zuschüsse des Bundes an die Bundesanstalt für Arbeit und höhere Ausgaben für die Arbeitslosenhilfe - errechnet sich für dieses Jahr ein leichter Zuwachs, im nächsten Jahr dagegen ein Rückgang. Mit dem geplanten Vorziehen der dritten Stufe der Steuerreform hat die Finanzpolitik aus konjunktureller Sicht angemessen reagiert. Kurzfristig sollte der ausgabeseitige Konsolidierungskurs nicht noch verstärkt werden. Mittelfristig darf das Konsolidierungsziel nicht aus den Augen verloren werden. Dies erfordert ein längerfristig angelegtes Konzept, dem eine größere politische Verbindlichkeit bei der Umsetzung zukommen muss, als dies bei den bisherigen Vorhaben der Fall war.
 
Die Politik sollte sich nicht auf ein Defizitziel, sondern auf eine Ausgabenlinie verbindlich festlegen, wobei die Zuschüsse an die Bundesanstalt für Arbeit ausgeklammert bleiben sollten. Zusätzliche Sparmaßnahmen wie ein breit angelegter Subventionsabbau sollten verzögert in Kraft treten, damit der Aufschwung nicht schon blockiert wird, ehe er begonnen hat. Sorge bereitet die öffentliche Investitionstätigkeit, die abermals schrumpft. Zu geringe Infrastrukturausgaben - und hierzu gehören auch Ausgaben für Bildung und Forschung - können als Wachstumsbremse dienen. Internationale Vergleichsdaten zeigen, dass Deutschland zu geringe Infrastrukturausgaben tätigt.
 
Eine grundlegende Voraussetzung für vermehrte Infrastrukturausgaben ist eine bessere Finanzausstattung der Gemeinden, aber auch der Länder. In der Diskussion um die Reform der Gewerbesteuer wird zu wenig berücksichtigt, dass die lokale Wirtschaft erheblich vom kommunalen Infrastrukturangebot profitiert, in guten wie in schlechten Zeiten und unabhängig von der Höhe des Gewinns. Die Diskussion konzentriert sich zu sehr auf die Belastung - doch sollte berücksichtigt werden, dass die Unternehmen bereits durch die Reform 2001 erheblich entlastet worden sind. Reformbedarf sieht das DIW Berlin auch bei der Erbschaftsteuer. Eine Verdoppelung des Aufkommens könnte den Ländern immerhin Mehreinnahmen von 3 Mrd. Euro verschaffen.
 
Neue Regulierung soll mehr Wettbewerb in der Gaswirtschaft schaffen Durch die jüngst in Kraft getretene europäische Richtlinie für den Erdgasbinnenmarkt erhält die Liberalisierung der europäischen Gaswirtschaft neuen Schwung. Die Versorgungssicherheit Europas mit Erdgas ist durch die neue Richtlinie nicht negativ betroffen; Langfristverträge werden weiterhin eine wichtige Rolle bei der Erdgasversorgung spielen. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Wochenbericht des DIW Berlin 36-37/2003. Ein Schlüssel bei der Schaffung von Wettbewerb ist die Einführung eines einfachen, entfernungsunabhängigen Transporttarifs. Diese so genannte "Beschleunigungsrichtlinie Gas" sieht die Öffnung der Erdgasmärkte für den Wettbewerb im Segment der Nicht-Haushaltskunden bereits ab Juli 2004, sowie für Haushaltskunden ab Juli 2007 vor.
 
Die rechtliche Entflechtung vormals integrierter Transport- und Verteilungsunternehmen soll beschleunigt und der intra-europäische Handel intensiviert werden. Damit reagiert die Europäische Kommission auf zunehmende Kritik an der schleppenden Umsetzung des bisherigen Fahrplans zu mehr Wettbewerb in der Gaswirtschaft. Deutschland nimmt im europäischen Vergleich dabei einen hinteren Platz bei der Liberalisierung des Erdgassektors ein. Von besonderer Bedeutung für Deutschland ist, dass die Richtlinie jedem Mitgliedsstaat die Ernennung einer Regulierungsbehörde auferlegt. Damit wird der deutsche Sonderweg der Selbstregulierung durch Verbändevereinbarungen in der jetzigen Form beendet.
 
Die Politik steht nun vor der Aufgabe, die Regulierung der deutschen Gaswirtschaft effizient neu zu gestalten. Der bis zum 1. Juli 2004 einzurichtenden Regulierungsbehörde kommt die anspruchsvolle Aufgabe zu, den Wettbewerb in der Gaswirtschaft zu forcieren. Ein zentrales Element ist die Einführung eines einfachen, entfernungsunabhängigen Transporttarifs nach dem so genannten Entry-Exit-System, welcher in anderen europäischen Ländern bereits erfolgreich praktiziert wird.   Auf der Seite http://www.diw.de/deutsch/presse/pressemitteilungen/ finden Sie weitere Pressemitteilungen und koennen von dort nach Ablauf der Sperrfrist eine layoutgetreue Version im PDF-Format herunterladen.   Kontakt: Doerte Hoeppner, Pressereferentin Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung - DIW Berlin Tel.
 
030-897 89-249 mobil 0174-31 9 31 31 mailto:presse@diw.de http://www.diw.de/deutsch/presse/index.html Berlin - Ver?ntlicht von pressrelations.


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