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News des SUMA e.V.

Köln, Pressemitteilung vom 03.02.2012 13:15:40

News des SUMA e.V.

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitglieder, Freunde und
Interessenten des SUMA-EV,

unser erster Newsletter des Jahres 2012 befasst sich mit den folgenden
Themen:

1) Weiteres zum "Erpresser droht mit Google-Herunterstufung.
Und Google mimt Unschuld."

2) SuMa-eV spielt Antimonopoly: DENIC-Konferenz: am 13./14.2. in
Hamburg, http://www.domainpulse.de/

3) Übers Ziel hinausgeschossen: Das Anti-Piraterie Abkommen ACTA
http://de.wikipedia.org/wiki/Anti-Counterfeiting_Trade_Agreement

4) Konferenz: "Bloß im Internet - Alternativen?" FU Berlin, am 22.
und 23.3.2012

5) Google in Frankreich verurteilt wegen Wettbewerbsverzerrung

6) Innovationswettbewerb Sprungbrett 2012
http://www.vir-online-innovationstage.de/sprungbrett2012.htm

-----------------------------------------------------------------------


zu 1):
Weiteres zum "Erpresser droht mit Google-Herunterstufung.
Und Google mimt Unschuld"

In der Pressemitteilung vom 21.12.2011 hatten wir über diesen
spektakulären Fall erstmals berichtet; kurz zusammengefasst: Ein
Online-Shop wird von einem Erpresser mit gezielter Herabstufung in den
Ergebnissen von Google bedroht [1].

Neben den offenen kriminalistischen Fakten - der Erpresser konnte
bisher nicht identifiziert werden - wurde in zahlreichen SEO-Foren
diskutiert, inwieweit diese Drohung tatsächlich technisch umsetzbar
ist: Ist es möglich, durch gezieltes Setzen von Links auf eine andere
Website diese bei Google herunterzustufen?

Google selber bleibt vage in seiner Antwort darauf: "Es sei ... so gut
wie ausgeschlossen, dass man mit schlechten Links die Position einer
Website manipuliere." [2] Da hätten wir auch das Internet-Orakel
fragen können ;-). In SEO-Foren hingegen "schließen es die Teilnehmer
nicht grundsätzlich aus, dass schlechte Links zu einer Herabstufung
führen können." [2]

SEO-Spezialist Matthias Schneider [3] hat den Fall in einem Gutachten
für die Shop-Betreiber genauer untersucht; hier [4] können Sie es im
Detail nachlesen. Das Gutachten stellt zunächst fest: "Ein Abfall des
Ranking in den letzten Wochen konnte beobachtet werden." Dann der
zusammenfassende Satz: "Es kann vermutet werden, dass dies teilweise
durch die massive Verlinkung mit negativ besetzten Wörtern zustande
gekommen ist." Der Online-Shop beklagt einen Umsatzrückgang von 60% im
Dezember 2011 und 75% im Januar diesen Jahres.

Was aber ist die Quintessenz aus der ganzen Story? Es kann doch wohl
nicht weiterhin so sein, dass in dieser für das wirtschaftliche
Überleben von Firmen wesentlichen Frage des Google-Ranking lediglich
Orakel und Vermutungen das Sagen haben! Es muss möglich werden, dass in
solch entscheidenden wirtschaftlichen Fragen ein Mindestmaß von
Transparenz hergestellt wird; so wie SuMa-eV es fordert [5], auch an
die Internet-Enquete Kommission des Deutschen Bundestages [6], und in
seinen Leitlinien festgeschrieben hat: "Wenn sich daher Quasi-Monopole
für den Wissenszugang etabliert haben, dann müssen die Maßstäbe der
Wissensbewertung für solche Monopole transparent gemacht werden:
demokratisch legitimierte Kontrollgremien müssen sie überprüfen
können." [7].


zu 2):
SuMa-eV spielt Antimonopoly: DENIC-Konferenz am 13./14.2. in Hamburg

Die DENIC-Konferenz "Domain Pulse" ist eine Fachtagung, die sich mit
aktuellen Fragen und Trends zu Domains und der Weiterentwicklung des
Internets befasst [8]. Sie finden das Programm unter
http://www.domainpulse.de/de/programm. Mehr als 300 angemeldete
Teilnehmer aus allen Teilen der Welt sprechen für die Reichweite der
Tagung. Auch die im vorigen Abschnitt zum Thema Ranking angesprochenen
Fragen werden dort diskutiert werden. Ich selber werde referieren zum
Thema: "Internet-Monopoly" und was dagegen zu tun ist. Denn die
Freiheit des Internet und der freie Wissenszugang müssen immer gegen
ZWEI Seiten verteidigt werden:

- Gegen Übergriffe von Staaten und

- gegen solche von globalen Oligopolen.

Der Eintritt zur Konferenz für Fachbesucher ist kostenlos, eine
Anmeldung erforderlich: http://www.domainpulse.de/de/anmeldung

Vom komplementären Thema "Verteidigung des Internet gegen Übergriffe
von Staaten" handelt der nächste Abschnitt dieses Newsletters.


zu 3):
Übers Ziel hinausgeschossen: Das Anti-Piraterie Abkommen ACTA

Das ACTA-Abkommen in seiner ursprünglichen Zielrichtung zur Bekämpfung
von Produktpiraterie halten wir für durchaus diskutabel. In seiner
Ausweitung auf die Durchsetzung des Copyrights im Internet schießt es
allerdings nicht nur nach unserer Einschätzung weit über das Ziel
hinaus: Es bietet einen organisatorischen Rahmen für
Vorratsdatenspeicherung auf neuen Wegen und für die Zensur von
Inhalten, für die irgend jemand das Copyright beanspruchen könnte. Sie
finden den kompletten Text des Abkommens unter [9]. Wesentlich ist die
"Section 5: Enforcement of Intellectual Property Rights in the Digital
Environment".

Internet-Provider sollen verpflichtet werden, bei Beschuldigung wegen
Copyright-Verletzung die Daten ihrer Internet-Nutzern herauszugeben.
Damit das funktionieren kann, müssen diese Daten natürlich zunächst auf
Vorrat gespeichert werden. Maßgebliche deutsche Urheberrechtsexperten
"sehen die Gefahr, dass Zugangssperren für Urheberrechtsverletzungen
hoffähig werden, wenn sie einmal in einem internationalen Abkommen
aufgenommen werden" [10]. Auch der Ausschluss der (Netz-)Öffentlichkeit
bei den Verhandlungen zu ACTA wird scharf kritisiert.

Nach Einschätzung von Experten des europäischen Rechts verstößt ACTA
darüber hinaus sogar gegen geltendes EU-Recht [11]. Alles in allem
empfehlen wir daher, die aktuelle Kampagne von Avaaz.org in dieser
Sache zu unterstützen:

http://www.avaaz.org/de/eu_save_the_internet/?cl=1535603461&v=12216


zu 4):
Konferenz: "Bloß im Internet - Alternativen?"

Der Titel "Bloß im Internet - Alternativen?" beschäftigt sich mit der
Asymmetrie im Netz. Der Nutzer ist nackt. Und die Netzmonopolisten
geben sich zugeknöpft. Die persönlichen Daten sind an wenigen Stellen
im Netz konzentriert und ganz einfach zu kompletten
Persönlichkeitsprofilen zusammen zu führen. Kontrollieren kann das
keiner.

Nach jahrelangen Dementis hat Google jetzt den befürchteten Schritt
getan. Das Unternehmen will die persönlichen Daten der
unterschiedlichen Dienste jetzt zusammen führen. Wer nicht zustimmt,
wird rausgeworfen.[12].

Auf der Konferenz wollen wir Alternativen aufzeigen und diskutieren.
Konzeptionelle Diskussionen und konkrete, praktische Alternativen
werden dabei nicht zu kurz kommen. SuMa-eV wird mit einigen wirklich
interessanten Neuigkeiten und Beiträgen vertreten sein.

Der zweite Tag richtet sich primär an Datenschutzbeauftragte an
Hochschulen und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen. Hier geht es
um ihre Möglichkeiten, die Mitglieder ihrer Einrichtungen vor
ungewollter Blöße zu bewahren.

Die Konferenz findet am 22. und 23.3.2012 in der FU Berlin statt. Sie
wird veranstaltet von der Datenschutzbeauftragten der Freien
Universität in Zusammenarbeit mit dem SuMa-eV und dem ASTA der FU
Berlin. Der Eintritt zur Konferenz ist ist kostenlos, für den zweiten
Tag ist eine Anmeldung erforderlich.

Das detaillierte und stetig aktualisierte Programm der Konferenz finden
Sie spätestens ab Montag, den 6.2.2012 unter:

http://www.datenschutz.fu-berlin.de/dahlem/index.html


zu 5):
Google in Frankreich verurteilt wegen Wettbewerbsverzerrung

Der Kartendienst maps.google.de ist auch für kommerzielle Anbieter
kostenlos nutzbar. Hierzu hat ein Gericht in Frankreich erstmals einen
Verstoß gegen die Wettbewerbsregeln festgestellt und Google zu
Schadensersatz und Bußgeld in Höhe von insgesamt 515.000,- EUR
verurteilt [13]. Interessanterweise laufen ganz ähnliche Klagen beim
deutschen Kartellamt, die mittlerweile wegen ihrer grundsätzlichen
Bedeutung für Europa an die EU-Kommission in Brüssel weitergereicht
wurden. Es wird spannend, ob die EU-Kommission sich der Argumentation
des französischen Gerichtes anschließen wird. Ansonsten hätten wir
unterschiedliche Rechtslagen in Europa.

Vielleicht macht ein Beispiel die Wettbewerbsverzerrung deutlich: Die
Firma Volkswagen verkauft außer Autos, mit denen gut verdient wird,
u.a. auch Versicherungen. Wenn VW jetzt seine Versicherungen einfach
uneingeschränkt verschenken würde (sie also aus dem Autogeschäft
quersubventionieren würde), dann könnte VW damit jegliche Konkurrenz
ausschalten. GENAU DAS verbietet das Wettbewerbsrecht. Und GENAU DAS
macht Google, wenn es das Produkt Maps uneingeschränkt verschenkt.


zu 6):
Innovationswettbewerb "Sprungbrett" 2012, Online-Touristik

Der Verband Internet Reisevertrieb e.V. (VIR) ruft zu seinem
Innovationswettbewerb "Sprungbrett" auf. Gesucht werden Produkte,
Innovationen oder Ideen für die Online-Touristik, die noch keine 12
Monate auf dem Markt sind. Bewerbungen können für die Kategorie
"Start-Up" oder "Established" eingereicht werden. Der erste Preis ist
mit 5000,-EUR dotiert, insgesamt haben die Preise für die Sieger in der
Kategorie Start-Up einen Wert von über 20.000,-EUR. Bewerbungen sind
bis zum 30.4.2012 möglich.

Mehr unter:
http://www.vir-online-innovationstage.de/sprungbrett2012.htm


Beste Grüße!
Wolfgang Sander-Beuermann
--
Dr. Wolfgang Sander-Beuermann Tel.: 01520-2883048 wsb@suma-ev.de
Geschäftsführer SuMa-eV www.suma-ev.de
Leiter Suchmaschinenlabor Leibniz Universität Hannover www.metager.de



Quellen:

[1] http://www.suma-ev.de/presse/erpresser-droht-mit-google-herunterstufung.html

[2] http://www.heise.de/newsticker/meldung/Geld-her-sonst-Abstufung-bei-Google-1399684.html

[3] http://www.ng-marketing.com

[4] http://www.holzspielzeug-discount.de/stellungnahme

[5] http://blog.suma-ev.de/content/newsletter-suma-ev-fordert-transparenz

[6] https://demokratie.enquetebeteiligung.de/proposal/534-Ma%C3%9Fnahmen_gegen_die_Vereinnahmung_des_In

[7] http://www.suma-ev.de/ziele/

[8] http://de.wikipedia.org/wiki/Domain_pulse

[9] http://trade.ec.europa.eu/doclib/docs/2011/may/tradoc_147937.pdf

[10] http://www.heise.de/newsticker/meldung/Rechtsexperten-sehen-Licht-und-Schatten-im-ACTA-Internet-Kapitel-938959.html

[11] http://www.heise.de/newsticker/meldung/Experten-ACTA-widerspricht-EU-Recht-1172678.html

[12] http://www.google.com/policies/

[13] http://www.wirtschaftsblatt.at/home/boerse/binternational/franzoesisches-gericht-verurteilt-google-zu-strafzahlungen--506122/index.do


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