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Muse sind noch nie auf Nummer sicher gegangen. Jedes ihrer Alben war ein neues, spannendes Klangabenteuer, das dem Hörer anfangs einiges an Konzentration abverlangte. Auch The Resistance ist keine Fastfood-Platte, sondern originelle musikalische Filigrankunst. Als "entschlackter" und "elektronischer" kündigten Muse ihr fünftes Studioalbum im Vorfeld an, und tatsächlich klingt The Resistance deutlich reduzierter und weniger gitarrenlastig als der grandiose Vorgänger Black Holes & Revelations. Es sind zwar auch vereinzelt typische Muse-Riffgewitter wie "Unnatural Selection" zu finden, der Schwerpunkt liegt jedoch ganz klar auf ruhigeren und Keyboard-lastigeren Stücken. Ein Song wie "Undisclosed Desires" schlägt den Bogen zu Wave-Größen wie Depeche Mode, mit "Resistance" liefern die drei Engländer einen geschickt zwischen treibend und sphärisch pendelnden Mainstream-Rock-Hit ab, und auch ansonsten dominieren aufs Notwendigste reduzierte Arrangements und klare, einprägsame Melodielinien, die von Frontmann Matthew Bellamy nicht mehr ganz so oft im oberen Bereich seines beachtlichen Stimmumfangs gesungen werden. Selbst das großartige dreiteilige Epos "Exogenesis: Symphony" mit seinen Klassikeinschüben kommt schnörkellos und federleicht daher. Freunde der progressiveren, bombastischen Muse werden allenfalls beim stark an Queen und Led Zeppelins "Kashmir" angelehnten "United States Of Eurasia" an Alben wie Absolution erinnert. Die Band hat sich mal wieder spürbar weiterentwickelt, und erneut ist es für die Hörer eine Herausforderung, ihr auf ihrem Weg zu folgen.- Michael Rensen
kulturnews.de
Man kann Matthew Bellamy vieles vorwerfen: dass er zu verkopft ist, bestimmte Sounds immer wieder durchnudelt oder Pathos in großen Mengen zum Frühstück futtert. Doch eins ist sicher: Der Muse-Chef ist nicht nur irrwitzig kreativ, er hat auch einen Heidenspaß an Musik. Wie ein kleines Kind will er am liebsten jedes vorhandene Spielzeug gleichzeitig nutzen und hat es inzwischen zur Meisterschaft darin gebracht, Unmengen von Klängen, Rhythmen, Emotionen und Stilen in einem Album zusammenzuwursten. Klingt gruselig, ist aber eine sehr unterhaltsame Sache. Dann zum Beispiel, wenn aus komplexen und intellektuellen Klanggebilden plötzlich ein Abba-Zitat hervorpiekt oder Backgroundchöre alte Queen-Zeiten wiederbeleben. Bei allem Zitieren und Frickeln haben Muse aber nicht vergessen, worauf es ankommt. Und so finden sich auch auf dem vierten Studioalbum der Briten jede Menge bezwingende Refrains, tanzbare Beats und Pophymnen. Und wenn man sich schon bei den ersten Klängen der CD zu Hause fühlt, wen schert dann schon der Showdown, bei dem sich Bellamy in einer schwülstigen Rockklassiksymphonie verheddert. (es)
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