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Martin Luther als Magnet im Rheinland: Noch bis 29. November hängt das Weimarer Tryptichon in der Gnadenkirche Bergisch Gladbach - umfangreiches Begleitprogramm

Köln, Pressemitteilung vom 26.11.2009 21:17:08

Martin Luther als Magnet im Rheinland: Noch bis 29. November hängt das Weimarer Tryptichon in der Gnadenkirche Bergisch Gladbach - umfangreiches Begleitprogramm

Martin Luther und das Rheinland - diese Beziehung ist nicht gerade als innige Liebesgeschichte in die Annalen eingegangen. Einer Notiz zufolge hat der Reformator einmal in Köln übernachtet, das wars aber auch schon. Fast 500 Jahre später sorgt Luther aber dennoch für Aufsehen hierzulande und begeistert junge wie alte Menschen gleichermaßen. Das weltberühmte Luther-Triptychon aus der Herderkirche in Weimar ist jetzt auf der letzten Station seiner Tournee durch das Ruhrgebiet und das Rheinland in der evangelischen Gnadenkirche in Bergisch Gladbach eingetroffen. Unbekümmerte Anfrage in Weimar Martin Luther kommt, verkündete die Evangelische Kirchengemeinde Bergisch Gladbach schon vor einiger Zeit auf großen Plakaten vor der Gnadenkirche an der Hauptstraße. Das hat bei einigen Leuten schon zu irritierten Reaktionen geführt, schmunzelt Thomas Werner, Pfarrer der Gnadenkirche. Martin Luther ist da, heißt es jetzt auf einem großen Transparent vor dem Gotteshaus. Und dass das so ist, haben die Menschen im Rheinland dem evangelischen Pfarrer aus dem Bergischen Land zu verdanken: 2007 war Werner das erste Mal in Weimar. Natürlich besuchte er dort auch die evangelische Kirche St. Peter und Paul, auch bekannt als Herderkirche, und dessen berühmtes Kunstwerk. Als ich das gesehen habe, hatte ich sofort die Idee, es auch mal zu uns ins Rheinland zu holen, erzählt er. Nun leiht man sich nicht alle Tage ein wertvolles Kunstwerk aus, doch Werners unbekümmertes Ansinnen führte erstaunlich schnell zum Erfolg. Ich habe beim zuständigen Superintendenten nachgefragt, der schon von dem ,Verrückten aus dem Rheinland gehört hatte. Seine Antwort fiel positiv aus, berichtet Werner. Tournee durch vier Gemeinden Zunächst aber bremste sich der Pfarrer selbst aus, da er im Glauben, für so eine Aktion bestimmte Genehmigungen zu benötigen, bei verschiedenen Ämtern und Institutionen anrief. Nach drei Monaten erfolglosen Herumtelefonierens gab er das Vorhaben zunächst auf und ließ es bis Herbst vergangenen Jahres ruhen. Alles, was wir brauchten, war die Zustimmung der Mitteldeutschen Landeskirche und eine Versicherung - das wars, erzählt Werner. Erstaunt und begeistert zugleich ist er von der Freigiebigkeit der Weimarer Protestantinnen und Protestanten. Es ist sensationell, dass die uns ihren Kunstschatz ausgeliehen haben, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Sie haben sich einfach riesig darüber gefreut, dass Gemeinden aus dem Rheinland und dem Ruhrgebiet so großes Interesse an dem Triptychon haben, betont Werner. Mittlerweile hatte sich ein Kollege von Werner aus Essen mit eingeklinkt, und schnell standen die Tourdaten des Kunstwerks fest: Jeweils eine Woche lang wurde das Luther-Triptychon in Gladbeck, in Essen, in der Kulturkirche Köln in Nippes und der Gnadenkirche ausgestellt. Die beteiligten vier Gemeinden haben sich die Kosten für Versicherung und den Spezialtransport geteilt. Außerdem haben wir der Weimarer Gemeinde eine Spende für deren neue Bronzeglocken gegeben, als Gegenleistung, so der Pfarrer. Luther, wie wir ihn kennen 1572 entstand das Triptychon, das dreiteilige Bildnis des Reformators Martin Luther. Es zeigt ihn als Augustinermönch, als Junker Jörg und als Magister. Die drei Bilder geben Luther so wieder, wie wir ihn kennen, sagt Pfarrer Werner. Als Künstler des Triptychons gilt Veit Thiem, ein Schüler von Lucas Cranach dem Jüngeren und Sohn einer alteingesessenen Bürgerfamilie. Er war Weinmeister und Ratsherr in Weimar und fertigte das Kunstwerk nach einem Bildnis, das sein Lehrmeister von Luther gemacht hatte, an. Neben den drei Porträts des Gelehrten zeigt das Triptychon auf drei Tafeln einen detaillierten Abriss von Luthers Leben und Wirken. Bis zu 200 Besucher pro Tag Von der Reaktion der Menschen in Bergisch Gladbach ist Thomas Werner begeistert. Kinder, Jugendliche, ja, ganze Familien schauen vorbei. Wir haben viele Menschen kennen gelernt, die vorher nicht bei uns in der Kirche waren. Auch Katholiken und sogar Muslime haben sich das Triptychon angeschaut. Eine regelrechte Magnetwirkung habe Martin Luther entfaltet. 100 bis 200 Leute pro Tag, dazu die Besucherinnen und Besucher der Veranstaltungen des Begleitprogramms, haben die Gnadenkirche in der Ausstellungswoche besucht. Es wäre falsch zu behaupten, Luther sei out, fasst Werner seine Eindrücke vom Publikumsinteresse zusammen. Täglich ab 10 Uhr bis zum Ende der Abendveranstaltung ist die Gnadenkirche geöffnet. Und sowohl draußen als auch drinnen herrscht ein Betrieb, der leider nicht mehr beispielhaft ist für evangelische Kirchen im 21. Jahrhundert. Umfangreiches Begleitprogramm Neben dem Kunstwerk selbst hat die Gemeinde auch ein umfangreiches Begleitprogramm zusammengestellt, das sich aus verschiedenen Richtungen der Gestalt des großen Reformators nähert. Ein Konzert mit Musik aus der Reformationszeit, ein Vortrag, der sich mit Luthers Bedeutung für den ökumenischen Prozess beschäftigt, ein Liederabend, der Eigenkompositionen von Martin Luther gewidmet war, und ein kunstgeschichtlicher Vortrag zur Geschichte des Triptychons haben bereits erfolgreich stattgefunden. Am Donnerstag, 26. November, hält Pfarrer Dr. Martin Bock, Leiter der evangelischen Melanchthon-Akademie, einen Vortrag zur Theologie Luthers und zur Identität des Christseins. Beginn ist um 19.30 Uhr. Unter dem Titel Warum rülpset und furzet ihr nicht . . . findet am Freitag, 27. November, ab 17 Uhr ein mittelalterliches Fest für die ganze Familie rund um die Gnadenkirche statt, und am Samstag, 28. November, beginnt um 20 Uhr ein Kirchenkonzert mit dem Ensemble Farfarello. Zum Abschluss der Ausstellung findet dann am ersten Advent, Sonntag, 29. November, ab 17 Uhr eine Performance unter dem Titel Luther kontrovers statt. Mitwirkende sind die Schauspielerin Vladimira Plagens und Pfarrer Thomas Werner. Und am Montag, 30. November, mach sich das Luther-Triptychon wieder auf seinen Weg zurück nach Weimar. Und in Bergisch Gladbach hängen dann Schilder mit der Aufschrift Tschüss Martin Luther.
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