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Lohnentwicklung in Deutschland auf stabilitätsgerechtem Pfad

Düsseldorf, Pressemitteilung vom 24.07.2002 16:53:00

Lohnentwicklung in Deutschland auf stabilitätsgerechtem Pfad

DIW Berlin: "Stabilitätsgerechter Richtwert" als Orientierungsgröße Die jüngsten Tarifabschlüsse befinden sich nach Ansicht des DIW Berlin insgesamt auf einem stabilitätsgerechten Pfad und sind somit angemessen. In seinem aktuellen Wochenbericht 30/2002 stellt das Berliner Institut einen "stabilitätsgerechten Richtwert" vor, der von Gewerkschaften und Arbeitgebern als Orientierungsgröße bei der Beurteilung der Lohnentwicklung genutzt werden kann. Dieser Richtwert, der als langfristig gültige Größe berechnet wurde, beträgt in Deutschland 3,8 % auf Jahresbasis. Ihm kann der Anstieg der gesamten Lohnkosten (auf Stundenbasis) - einschließlich der Lohnnebenkosten - gegenübergestellt werden.
 
Dieser wird in diesem Jahr voraussichtlich 3,0 bis 3,2 % betragen. Der stabilitätsorientierte Richtwert wird vom DIW Berlin als Summe aus Zielinflation und Veränderung der Trendarbeitsproduktivität definiert. Bei der Preissteigerung legt das Institut nicht die tatsächlichen Veränderungsraten zugrunde, sondern eine Rate, die von der Europäischen Zentralbank (EZB) als Ausdruck von Preisstabilität gewertet wird. Für die Berechnung des Richtwerts hat das DIW Berlin ein Inflationsziel von 1,5 % gewählt, das sich aus dem Referenzwert der EZB für das Geldmengenwachstum ergibt. Die Produktivität (reale Bruttowertschöpfung dividiert durch das geleistete Arbeitsvolumen der Erwerbstätigen) wird an der Zahl der geleisteten Erwerbstätigenstunden gemessen, um Teilzeiteffekte zu berücksichtigen.
 
Eine sektorale Differenzierung ist hierbei durchaus möglich. Jede Branche sollte einen sektoralen Richtwert ermitteln. Branchen, die überdurchschnittlich produktiv sind, können überdurchschnittliche Löhne zahlen. Allerdings muss der öffentliche Dienst gesondert beurteilt werden. Rechnerisch gilt er dann als besonders produktiv, wenn die Angestellten und Beamten hoch entlohnt werden.
 
Die tarifliche Diskussion in diesem Bereich muss sich somit behelfsweise am gesamtwirtschaftlichen Ergebnis orientieren. Der stabilitätsorientierte Richtwert wurde Anfang der 90er Jahre im Gefolge der Vereinigung stark überzogen. In den folgenden Jahren wurde diese Entwicklung im Zuge der Rezession korrigiert, und die Lohnerhöhungen blieben deutlich unter dem Richtwert. Seit 1997 besteht eine Tendenz, sich dem Richtwert mehr und mehr anzunähern. Mit den aktuellen Tarifabschlüssen und den Erhöhungen der Lohnnebenkosten in diesem Jahr nähern sich die Arbeitsentgelte nun dem Richtwert.
 
Insgesamt können die aktuellen Lohnabschlüsse als stabilitätsgerecht bezeichnet werden. Einstellung der Deutschen zum Euro: Politische Vorteile höher bewertet als wirtschaftlicher Nutzen Die Zustimmung zum Euro in Deutschland ist im Vergleich zu den anderen an der Währungsunion teilnehmenden Ländern immer noch gering. Zwar war unmittelbar nach der Bargeldeinführung eine Euro-Begeisterung zu verzeichnen, doch nahm diese in den folgenden Wochen wieder etwas ab. Dennoch ist die Zustimmung zum Euro inzwischen höher als im vergangenen Jahr: Während damals noch zwei Drittel aller Deutschen Sorgen im Zusammenhang mit der Euro-Einführung äußerten, ist es nun nur noch die Hälfte. Damit liegt Deutschland bei der Akzeptanz des Euro innerhalb der Europäischen Währungsunion immer noch auf einem hinteren Platz.
 
Der scheinbare Vorteil der Deutschen eines einfachen Umrechnungskurses zwischen D-Mark und Euro erweist sich bei der Bildung eines neuen Referenzsystems für Preise eher als Nachteil. Durch das schnelle Umrechnen bleibt die D-Mark im ständigen Bewusstsein der Konsumenten. Die vom DIW Berlin erhobenen Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) zeigen, dass bei den höher Gebildeten und bei den EU-Ausländern Sorgen im Zusammenhang mit der Euro-Einführung am seltensten anzutreffen sind. Bei der deutschen Bevölkerung geht die Sorge in starkem Maße mit der Befürchtung einher, die Abschaffung der D-Mark bringe insgesamt mehr Nach- als Vorteile für Deutschland. Dieser Meinung sind 56 % der Befragten. Zwei Fünftel stimmen der Aussage zu, dass private Geldanlagen unsicherer werden.
 
Hingegen erwarten 70 % der Befragten, dass der Euro die Einheit Europas fördert. Der Nutzen des Euro wird also im Hinblick auf die politische Dimension - die Förderung der europäischen Einheit - höher veranschlagt als auf die wirtschaftliche Entwicklung. Die Befürchtungen der Deutschen bezüglich wirtschaftlicher Nachteile werden zurzeit durch punktuelle Preissteigerungen genährt, die ihr mediales Echo in der Diskussion über den "Euro als Teuro" finden. Zwar sind die Preise in Deutschland insgesamt stabil - die Teuerungsraten fielen im Mai und Juni gering aus -, aber im Dienstleistungssektor kam es zu einigen Verteuerungen, die dem Verbraucher sofort ins Auge stachen. Die "subjektiv gefühlte Inflation" steht also noch im Widerspruch zur amtlichen Teuerungsrate. Auf der Seite http://www.diw.
 
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