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Ein anonymer Anrufer beschimpfte mich vor wenigen Tagen am Telefon: "Warum berichten Sie so viel über den Kindesmissbrauch in der Katholische Kirche? In den Elternhäuser werden viel mehr Kinder missbraucht als durch Priester. In den islamischen Moscheen und in den muslemischen Elternhäuser werden auch Kinder missbraucht, nur darüber redet kein Mensch, sonst gibt es Ehrenmorde." Diese Meinung kann ich so nicht stehen lassen, da mir keine Beweise vorgelegt wurden. Beweise allerdings gibt es im katholischen Irland. Die Berichte, die bisher veröffentlich wurden, zeigen eine Kindesverachtung von Geistlichen, die ohne Beispiel sind. Unter der Soutane der kirchlichen Instanz sollen sich unbeschreibliche Exzesse abgespielt haben. Auf die irländische Kirche kommen sicherlich Schadenersatzzahlungen in der Höhe von mehreren hundert Millionen Euro zu. Sollte die Kirche dieses selber nicht leisten können müssen die Bistümer - in gleichem Maße wie in den USA - Insolvenz beantragen oder letzendlich der Vatikan Zahlungen leisten.
In keinem anderen Land sollen mehr Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht - und schwer körperlich misshandelt - worden sein durch Priester, Ordensleute, Laienmitarbeiter und Nonnen. Mehre Bischöfe sollen seitdem zurückgetreten sein. Überraschend ist jetzt Giuseppe Leanza, Nuntius des "Heiligen Stuhles" in Irland, nach Rom zurück beordert worden. Wird Leanza über das ganze Ausmaß der Verbrechen an den Kindern und Jugendlichen berichten oder nur Anweisungen bekommen, um die Dinge in Irland auszusitzen und zu händeln?
Nach schweren Vertuschungsvorwürfen im Skandal um sexuellen Missbrauch von Kindern hat der Vatikan seinen Botschafter in Irland zurückbeordert. Erzbischof Giuseppe Leanza soll an einer Reaktion auf die irischen Vorwürfe mitarbeiten, berichtete Radio Vatikan. Der Heilige Stuhl reagierte damit auf die Veröffentlichung des "Cloyne-Reports" und vor allem auf die folgenden harschen Vorwürfe des irischen Premierministers Enda Kenny. Der Report war die vierte größere Veröffentlichung über das Vertuschen von Missbrauch in der katholischen Kirche in Irland. In der Diözese Cloyne war Bischof John Magee tätig: ihm war nachgewiesen worden, die Untersuchungen fehlgeleitet zu haben. Premier Kenny hatte mit Bezug auf den Report dem Vatikan vorgeworfen, Untersuchungen behindert und die Vergewaltigung von Kindern heruntergespielt zu haben. Der Vatikan sei "abgehoben", hatte er gesagt. Bisher war das Verhältnis zwischen Staat und Kirche in Irland sehr eng.
Die Auseinandersetzung zwischen dem Vatikan und Irland spitzt sich weiter zu. Am 25. Juli 2011 hat der Vatikan seinen Nuntius, Erzbischof Giuseppe Leanza, aus Dublin abgezogen, ein symbolischer Akt, der von Rom nur selten durchgeführt wird und als ultima ratio gilt. Es geht um die Aufarbeitung des Skandals um systematischen sexuellen Missbrauch von Kindern. Irlands Premier Enda Kenny hatte dem Vatikan zuletzt vorgeworfen, die Vergewaltigung und die Folter von schutzbefohlenen Kindern heruntergespielt zu haben. Der Kirchenstaat verhalte sich;abgehoben, elitär und narzistisch;. Auch das Parlament hat eine Resolution verabschiedet, in der der Vatikan wegen der mangelhaften Aufarbeitung kritisiert worden war. Nach einer Untersuchung soll Rom noch bis in das Jahr 2009 versucht haben, die Fälle des Kindesmissbrauchs herunterzuspielen.
In dem so genannten Cloyne Report wird der Schluss gezogen, die Kirche habe dem Erhalt der eigenen Macht und der Wahrung ihrer Reputation Vorrang vor der Aufklärung eingeräumt. In der Diözese Cloyne hatte Bischof John Magee unstreitig Untersuchungen fehlgeleitet und so nach den Worten von Enda Kenn ;in einer souveränen Republik versucht Untersuchungen zu behindern. Papst Benedikt XIV. hat im Jahr 2010 das Rücktrittsgesuch des Bischofs akzeptiert. Was Irland besonders erschüttert: Die Macht der Kirche ging in den vergangenen Jahrzehnten in dem katholisch geprägten Land bis tief in die Politik hinein und anders als in Deutschland, Belgien und etwa in den Vereinigten Staaten von Amerika ging es nicht um vereinzelten Missbrauch, sondern um tausendfachen Missbrauch von Kindern über viele Jahrzehnte hinweg. Eine Schockerkenntnis, von der sich der irische Katholizismus, der in allen gesellschaftlichen Strukturen fest verwurzelt ist, noch nicht erholt hat und wohl auch längere Zeit noch nicht erholen wird.
Erst Anfang Juni 2011 hatte der Heilige Stuhl seine Apostolische Visitation in Irland abgeschlossen. Man läge ganz im Zeitplan, gab der Vatikan in diesem Zusammenhang bekannt. Ungeachtet dessen beklagte Dublins Erzbischof Diarmund Martin die Verzögerungen der Untersuchungen. Ein Umstand, der nach Beobachtern der hoch nervösen Stimmung in Irland geschuldet sein dürfte. Im Auftrag des Papstes hatten die Visitatoren unter anderem die Effizienz der derzeitigen Verfahren beim Umgang mit Missbrauchsfällen und die angebotenen Unterstützungen für die Opfer unter die Lupe genommen. Die Kontrolleure hätten in den vier Erzbistümern, in den Priesterseminaren und Ordenseinrichtungen offene Türen vorgefunden, verlautet aus Rom. Die umfassenden Ergebnisse zu den Untersuchungen in Irland will der Vatikan Anfang 2012 veröffentlichen und dabei auch Aussichten für die Zukunft bekannt geben.
Papst Benedikt hatte bereits im Frühjahr 2010 die Apostolische Visitation angekündigt und Ende desselben Jahres verkündete der Vatikan den Zeitplan für die Untersuchungen. Dass der irische Regierungschef Kenny den Heiligen Stuhl erst jetzt derart scharf kritisiert, ist insoweit einer der Gründe für die diplomatischen Irritationen, die zu dem Rückruf des Nuntius geführt haben. Im Jahr 2012 wird in Irlands Hauptstadt der Eucharistische Weltkongress stattfinden. Auch dieses Ereignis soll der Ortskirche auf dem Weg der Erneuerung helfen.
Giuseppe Leanza - * 2. Januar 1943 in Cesarò, Italien - ist ein katholischer Titularerzbischof und Apostolischer Nuntius. Geboren wurde Giuseppe Leanza 1943 im italienischen Cesarò. Im Alter von 23 Jahren wurde Leanza zum römisch-katholischen Priester geweiht. Die Ernennung zum Titularerzbischof von Lilybaeum erfolgte durch Papst Johannes Paul II. am 3. Juni 1990, zeitgleich wurde Titularerzbischof Giuseppe Leanza beauftragt, den Heiligen Stuhl als Diplomat in Haiti zu vertreten. Seine feierliche Ordination zum Titularerzbischof von Lilybaeum fand am 22. September 1990 statt. Die Aufgaben eines Pro-Nuntius übernahm Giuseppe Leanza für die Länder Malawi und Sambia, durch die gleichzeitige Beauftragung am 4. Juni 1991. Seinen Dienst als Apostolischer Nuntius setzte Giuseppe Leanza ab dem 29. April 1999 für drei Jahre in Bosnien-Herzegowina fort. Es folgten die diplomatischen Vertretungen des Heiligen Stuhls in Slowenien und Mazedonien. Mit der Ernennung vom 22. Februar 2003 ist Titularerzbischof Giuseppe Leanza Apostolischer Nuntius für Bulgarien. Am 22.Februar 2008 wurde der Vatikandiplomat zum neuen Apostolischen Nuntius in Irland ernannt.
Bereits im Dezember 2009 berichtete "Der Theologe" über die Kirchenskandale in Irland: "Vergewaltigung von Kindern durch Priester "an der Tagesordnung" - "Tausende" Kinder als Opfer / Vier Bischöfe zum Rücktritt gezwungen / Auch Rücktrittsforderungen gegen den Papst - Es sind keine "bedauerlichen Einzelfälle" von "Söhnen und Töchtern der Kirche", welche der Sünde noch nicht vollständig entsagt haben, wie es in kirchlichen Erklärungen manchmal sinngemäß heißt. Sondern: In der Erzdiözese Dublin in Irland waren die Vergewaltigungen von Kindern "an der Tagesordnung", also vielfach das Übliche. "Über hundert" pädophile Priester begingen im seelsorgerlichen Dienst von 1975-2004 allein in dieser einen Diözese aktenkundig ungestraft ihre Kinderschänder-Verbrechen. Bei Entdeckung erfolgte Versetzung, ohne dass im neuen Seelsorgebezirk des Verbrechers die "Kinder beschützt wurden". Die staatlichen Behörden wurden entweder nicht verständigt oder, wo sie verständigt wurden, schwiegen auch sie "autoritätsgläubig" im Angesicht der Macht der Kirche - Der Tagesspiegel, 28.12.2009 -, so dass immer mehr Seelen von Kindern "zerstört" werden konnten.
Und wegen dieser gezielten Vertuschungs-Politik von Kirche und Staat kann auch davon ausgegangen werden, dass längst noch nicht alle Verbrechen ans Tageslicht gekommen sind. Der Papst feilt derweil an ausgeklügelten Worten zu den Verbrechen, was natürlich einige Zeit in Anspruch nimmt. Ein geplanter "Hirtenbrief" ist deshalb noch nicht erschienen. Missbrauchsopfer haben für diesen "langen Atem" des Vatikan wenig Verständnis und werfen dem Papst vor, er betrachte die Aufdeckung "teilnahmslos". Vier von fünf Bischöfen mussten bereits zurück treten. Der Sprecher des Vatikans Federico Lombardi versucht derweil, die Verbrechen anderweitig herunter zu spielen. Es sei "das besondere Problem eines einzelnen Landes". Doch was ist dann mit den USA? Was mit den anderen Ländern, in denen derzeit ein Verbrechen nach dem anderen aufgedeckt wird? Oder mit den 23 Ländern, in denen z. B. systematische Vergewaltigungen von Nonnen durch Priester und Bischöfe schon aktenkundig sind? Usw. usf. Wieso soll ein Priester, dem weltweit eine Eheschließung verboten wird, eher ein Sexualstraftäter sein, wenn er Ire ist? Das ist doch kein Problem des Landes Irland, wie der Vatikan zu beschwichtigen versucht, sondern ein Problem der römisch-katholischen Kirche weltweit. Irische Medien wehren sich deshalb auch gegen diese kirchliche Taktik und berichten z. B. auch über zahllose Sex-Verbrechen von Priestern in anderen Ländern. Und populäre Zeitgenossen wie die Sängerin Sinead O´Connor fordern auch den Rücktritt des Papstes".
Von 1937 bis 1973 genoss die Kirche eine hervorgehobene Stellung in der Verfassung der irischen Republik. Nach dem Zweiten Vatikanum hat es verschiedene Veränderungen in der Kirche gegeben. So ist normale Zivilkleidung für Priester und Ordensschwestern heute die Regel und auch viele Klöster wurden zugunsten von Niederlassungen, welche in einem Wohnhaus untergebracht sind, aufgegeben. Doch durchlebt die katholische Kirche in Irland, wie alle anderen europäischen Länder auch, zur Zeit eine Krise. Sinkende Zahlen der Gottesdienstbesucher und entsprechend sinkende Zahlen bei Priestern und Ordensleuten zeigen das Bild einer beginnenden Kirchenkrise. So verstarben 2007 160 Priester, doch gab es nur neun Priesterweihen.
Im Jahr 2009 galt die römisch-katholische Kirche in Irland als in einer ihren tiefsten Krisen befindlich: Nach Veröffentlichung des Ryan-Berichtes über systematischen Missbrauch in danach Häuser des Horrors genannten katholischen Schulen und Heimen zwischen 1940 und 1990 im Mai 2009 deckte Ende November 2009 der Murphy-Bericht einen Missbrauchsskandal der römisch-katholischen Kirche in Irland auf, der weltweit Beachtung fand und in die weltweiten Fälle von sexuellem Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche einreiht. Daraufhin entschuldigte sich Kardinal Seán Brady, Primas von Irland und Erzbischof von Armagh, mehrmals öffentlich für den jahrzehntelangen u. a. sexuellen Missbrauch.
Während der Christmette traten an Heiligabend 2009 nach öffentlichem Druck und anhaltender Kritik mit Eamonn Oliver Walsh und Raymond Field der vierte und fünfte irische Bischof zurück. Diarmuid Martin, Erzbischof von Dublin, forderte daraufhin in seiner Heiligabend-Predigt kriminelles Verhalten müsse in jedem Fall verfolgt werden, die Erneuerung der Kirche müsse damit beginnen, dass die Vergangenheit ernsthaft und brutal aufgeklärt werde. In den Wochen zuvor waren bereits die Bischöfe Brendan Comiskey, Donal Brendan Murray und James Moriarty von ihren Ämtern zurückgetreten. - mit wikipedia -
http://www.denk-mit.info/kirche/kinderschaenderskandale.html
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