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Nun sitze ich ihm in seinem Büro in Srinagar gegenüber, dem Tourismusdirektor von Jammu und Kashmir. Vor ihm auf dem Schreibtisch liegen Aktenberge, in denen er liest. Hinter Ihm steht ein Sekretär, der ihm pausenlos Schriftstücke zum Unterzeichnen vorlegt. In der linken Hand ein Handy, das ununterbrochen klingelt. Aber er nimmt sich die Zeit, auch noch mit mir zu sprechen. Multitasking in höchster Vollendung. Im Frühjahr durfte ich ihn wie auch die Staatsekretärin für Tourismus, Frau Tanveer Jehan, bei einer Tasse indischem Tee und freundlichen Gesprächen gemütlicher kennen lernen. Für mich höchst erfreulich war die anschließende Einladung in dieses sehr schöne Land Kashmir in Nordindien.
Einige der in Berlin gemachten Versprechen nimmt er zurück. So sollte ich ursprünglich Tickets für die Flüge von Delhi nach Kashmir Link: Kashmir und zurück bekommen und auch die Kosten für den Aufenthalt in Ladakh. Übrig blieben ein Jeep mit Fahrer für das Happy Valley und ein Zimmer in seinem Gästehaus. Die Fahrgelegenheit habe ich dankend angenommen, aber auf meine Freunde auf dem Dal Lake wollte ich nicht verzichten. Hier, auf einem Hausboot, lässt es sich gut leben. Allein die Motive, fast unglaublich schön: Jagende Eisvögel, traumhafte Sonnenuntergänge, die vielen Hausboote und Shikaras mit ihren Menschen, ein Traum, ein „Happy Valley“ für jeden, der Fotos schießen und Menschen kennen lernen möchte. Denn dafür bin ich schließlich hier.
Seit meinem letzten Besuch hat sich einiges geändert. Wie von indischer Seite versprochen, sind zumindest an der Uferstraße am Dal Lake keine indischen Soldaten präsent. Keine nächtlichen Schüsse stören die Rufe des Muezzin. Auch die Müllabfuhr funktioniert tadellos. Papierkörbe, Müllentsorgungsboote, ich traue meinen Augen kaum. Selbst die Algen werden im großen Stiel aus dem Dal Lake gefischt. Und schon sieht man die Ergebnisse in Form von bummelnden Touristen. Kaum etwas erinnert in diesem Land, „wo Gott lebt“, an die vielen Toten der furchtbaren Kriege.
Meine Reise habe ich diesmal in Ladakh begonnen. Die Distriktshauptstadt Leh Link: Leh ist leicht mit einem Flugzeug zu erreichen. Es lohnt sich herzukommen, denn nicht nur die Freundlichkeit der hier lebenden Menschen ist unübertroffen. Auch die Landschaft dieser hochgelegenen Trockenwüste und die alten, meist buddhistischen Bauwerke, sind eine Reise wert.
Hier leben im einträchtigen Miteinander Buddhisten (etwa 80%), Muslime (15%), Sikh, Hindus und auch Christen. Es gibt in Ladakh auch Mischehen. Keinerlei Uneinigkeit zwischen den Religionen lassen Hoffnung aufkommen für ein friedliches Miteinander auch in anderen Landsteilen von Indien. Nur 4 Monate, vom Juni bis September, können Sie Ladakh bereisen. Dazwischen liegen Monate der Finsternis und Kälte. Keine Verbindung mit der Außenwelt (die beiden Pässe ins Land werden geschlossen), keine elektrische Energie, auch die Schulen schließen für 4 Monate ihre Tore. Glücklich, wer eine Solaranlage besitzt.
In Ladakh Link: Ladakh fällt im Winter nur wenig Schnee, so dass die Gletscher entsprechend klein sind. Die spärlichen Gletscherflüsse reichen nur zur Bewässerung kleiner grüner Oasen. Kaum auszudenken, was hier die Klimaveränderung anrichten wird. Steigende Temperaturen begünstigen die Verdunstung und auch das Abschmelzen des Eises. Überschwemmungen und Bergstürze werden dann den Menschen hart zusetzen. Mit steigenden Temperaturen werden die Winter kürzer und damit fällt noch weniger Schnee für den Neuaufbau der Gletscher.
Nach dem Abschmelzen der Gletscher werden so große Flüsse wie der Indus, der Mekong, der Ganges und auch der Brahmaputra kaum noch Wasser führen. Dann fällt in den besiedelten Gebieten dieser Regionen die Bewässerung der Felder aus. So wird es zu einer Verknappung der Versorgung der Bevölkerung kommen. Nach anfänglichen Überflutungen der fruchtbaren Täler durch verstärktes Abschmelzen der Gletscher (mit verheerenden Folgen für die Ernährung großer Teile der Weltbevölkerung) bedeutet das dann in der Folge Hunger und Durst für viele Millionen Menschen.
Es wird nun versucht, besondere Gebiete unter Schutz zu stellen, um den weiteren Raubbau von Wäldern einzuschränken. In Nepal sind es bereits 15% der Fläche des Landes. Auch sollen durch den verstärkten Aufbau eines sanften Ökotourismus den hier lebenden Menschen Möglichkeiten geboten werden, sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Darum bemüht sich besonders der Bundesstaat Jammu und Kashmir, dessen Tourismusdirektor Farooq Shah in diesem Jahr den indischen National - Safari-Preis für die Förderung des Tourismus erhielt. Und Ihm drücke ich zum Abschied fest die Hand mit dem Versprechen wiederzukommen in seine wunderschöne Heimat Kashmir.
Kontakt: Lothar Seifert
Hauptstraße 71b
01877 Naundorf
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