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Gesundheitsrisiken durch Nachlässigkeit im Ausland

Frankfurt / Main, Pressemitteilung vom 19.03.2010 19:17:15

Gesundheitsrisiken durch Nachlässigkeit im Ausland

Der Stich eines Skorpions, der Biss einer Schlange, psychische und soziale Probleme oder der Unfall im Alltag sind häufig unterschätzte Gesundheitsrisiken für Reisende, die sich länger im Ausland aufhalten. Während sich die reisemedizinische Beratung bei Kurzreisen auf den Schutz vor Mücken, Sonne und mangelnder Hygiene sowie die Impfungen konzentriert, müssen bei einem Langzeitaufenthalt wesentlich mehr die vor Ort lauernden Gefahren berücksichtigt werden. Häufig entsteht eine gewisse Nonchalance im Umgang mit Gesundheitsrisiken, was neue Infektionsquellen hervorbringt, warnte Dr. Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin, auf dem 11. Forum Reisen und Gesundheit im Rahmen der ITB-Berlin 2010.

Über 450 Ärzte und Apotheker waren der Einladung des CRM und des Gesundheitsdienstes des Auswärtigen Amtes gefolgt. Wie groß die im Ausland lauernden Gefahren sind, zeigte Dr. Stefan Eßer, Medical Director der International SOS GmbH: Die Hälfte aller Reisenden in Länder mit schlechter medizinischer Infrastruktur erkrankt während oder nach der Reise; rund zehn Prozent müssen wegen gesundheitlicher Probleme einen Arzt aufsuchen; rund acht Prozent erkranken so schwer, dass sie vorübergehend bettlägerig werden. Drei Prozent dieser Reisenden sind auch nach Rückkehr aus dem Urlaub oder von der Reise noch arbeitsunfähig.

Dr. Gunther von Laer, Leitender Medizinaldirektor im Auswärtigen Amt und derzeit als Regionalarzt in New Delhi tätig, beschrieb aus seinen Erfahrungen einige Gefahren, die durch unzureichende Vorbereitung und eine oftmals fehlende medizinische Infrastruktur entstehen können. Viele, auch touristisch interessante Länder sind kaum in der Lage, die Basisversorgung der eigenen Bevölkerung zu sichern. Rettungsdienste fehlen oder haben ein schlechtes Ausbildungsniveau. Zudem fehlt im Straßenverkehr häufig der Respekt vor Blaulicht.

Mehr noch als bei einer Urlaubsreise unterscheiden sich die individuellen Bedingungen während eines Langzeitaufenthaltes von den deutschen Verhältnissen. Ein junger Erwachsener, der sich im Rahmen des Freiwilligendienstes für einige Monate in einem ärmeren Land engagiert, hat andere Risiken als ein beruflich Entsandter, der mit der ganzen Familie ins Ausland geht, oder ein Soldat während eines Bundeswehreinsatzes.

Junge Erwachsene, die beispielsweise am weltwärts Freiwilligen Programm (wwf) teilnehmen, reisen unter recht einfachen Bedingungen, erläuterte Dr. med. Peter Schmitz, Leiter Gesundheitsprogramme und Ärztlicher Dienst des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED). Altersbedingt ist diese Gruppe beispielsweise immer wieder vor dem Risiko von HIV und anderen Geschlechtskrankheiten bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr zu warnen. Und da die jungen Frauen und Männer häufig mit öffentlichen Verkehrsmitteln und zu Fuß unterwegs sind, sind nicht nur Informationen über Sicherheits- und Unfallrisiken ein wesentlicher Bestandteil der Beratung, sondern auch die über Gefahren, die von streunenden Hunden ausgehen. Eine Tollwutimpfung ist daher unbedingt ratsam.

Möglichkeiten und Grenzen der Vorsorge

Auch auf Infektions- und besondere Risiken, die durch Mücken, Viren, Bakterien und Pilze drohen, wurde hingewiesen. Der Dermatologe Professor Wassilew erläuterte, dass Hautinfektionen in tropischen Regionen bei Langzeitaufenthalten durch Klima, persönliches Verhalten und Erregervorkommen begünstigt werden. Feuchtwarmes Tropenklima führt zu Juckreiz und anschließendes Kratzen kann die Haut beschädigen, so dass Pilze, Viren oder Bakterien eindringen und Infektionen auslösen können. Auch er betonte die Gefahr, dass bei wochenlangen Aufenthalten zunehmend vorbeugende Maßnahmen vernachlässigt werden.

Grenzen der reisemedizinischen Vorsorge zeigte Dr. Helmut Müller-Ortstein in seinem Vortrag über psychische und soziale Probleme im Ausland auf. Psychiatrische Notfallsituationen bei Auslandsaufenthalten sind nicht unbedingt etwas Alltägliches, aber auch nichts Ungewöhnliches. Trotz guter Vorbereitung, den Auslandseinsatz begleitender Maßnahmen und guter Reintegrationsprogramme kommen sie gar nicht so selten vor, erklärte der Facharzt. Gründe seien unter anderem das Burn-out-Syndrom, Depressionen, der Kulturschock und der umgekehrte Kulturschock (Re-Entry): Die Rückkehr in die Heimat nach einiger Zeit im Ausland ist für so manchen das größere Problem. Er warnte davor, den Missbrauch von Alkohol und anderen Drogen zu unterschätzen: Alkoholkranke und Drogenabhängige sind für längere und kürzere Auslandsaufenthalte ungeeignet. Im Zusammenhang mit Reisen und Auslandsaufenthalten sollten Alkoholprobleme ernst genommen und auf keinen Fall verharmlost werden.

www.crm.de


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