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ForFact Exportfactoring stellt Insolvenzantrag

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Pressemitteilung vom 09.07.2010 15:00:19

Der Spezialist in Exportfinanzierung ForFact Exportfactoring GmbH & Co. KG musste am Mittwoch 7. Juli 2010 beim zuständigen Insolvenzgericht in Hamburg einen Insolvenzantrag stellen (AZ 67a IN 308/10).

Auf Basis dieses Antrags wurde ein vorläufiges Insolvenzverfahren eröffnet. Im Zuge dieses Insolvenzantrages wurde auch die Insolvenz für die ForFact Exportfactoring Verwaltungsgesellschaft mbH beantragt (AZ 67a IN 309/10).

Gemeinsam mit dem vorläufig bestellten Insolvenzverwalter, Herrn Dr. Sven-Holger Undritz, wird an einer Fortführung des Geschäftsbetriebes der ForFact gearbeitet. Dessen Ziel ist eine übertragene Sanierung, teilte ein Mitarbeiter des Unternehmens mit. Ursächlich für die Insolvenzanträge sind finanzierte Scheinforderungen gegenüber der Firma Henkel in Düsseldorf, die jedoch nicht existent waren und die Kündigung der Kreditlinien vor wenigen Tagen durch die refinanzierende Bank.

Tags zuvor wurden in der Henkel-Betrugsaffäre die Urteile gegen den ehemaligen Henkel-Pressesprecher Kai von Bargen (vier Jahre Gefängnisstrafe) und einen vorbestraften Komplizen (fünfeinhalb Jahre Gefängnisstrafe) in Düsseldorf gefällt. Das Verfahren gegen Mittäter Willy Luchs war kurz vor dessen Tod wegen schwerer Erkrankung eingestellt worden. Der Factor ForFact war eine der geschädigten Finanzierungsgesellschaften, die fingierte Rechnungen angekauft und finanziert hatten. Dabei sollen insgesamt über 40 Millionen Euro ergaunert worden sein. Ein Teil der Summe wurde zurückgezahlt. Wie hoch genau der Schaden letztlich ist, vor dieser Frage kapitulierte sogar der Oberstaatsanwalt in Düsseldorf.

ForFact hatte sich im Vorfeld der Geschäftsbeziehung über Willy Luchs und dessen Event-Unternehmen informiert, so eine Zeugin der geschädigten ForFact, man habe auch von seinen Vorstrafen erfahren. Dennoch sei dem Unternehmen das Geschäft seriös vorgekommen. Lediglich eine Bestätigung von Henkel, dass eine Forderung besteht, habe man verlangt und diese mit Unterschrift des Vorstandes erhalten. PR-Manager Kai von Bargen habe die Unternehmer außerdem in die Henkel-Geschäftsräume eingeladen, man sei fürstlich bewirtet worden. Damit habe man die Prüfungspflicht erfüllt, meinte die Zeugin.

Mit einem Zitat von Oscar Wilde versuchte Oberstaatsanwalt Ralf Möllmann in seinem Plädoyer das Motiv des angeklagten Kai von Bargen zu beschreiben: Man versehe mich mit Luxus, auf alles Notwendige kann ich verzichten. Der Kopf der Bande, Willy Luchs, habe in Von Bargen eine beeinflussbare Person gefunden, mit einem Hang zu Luxus und einer enormen Naivität. Sie sind in einen Strudel geraten und kamen da nicht mehr raus, sagte er. Er habe seine bürgerliche Existenz komplett vernichtet, mit Champagner weggespült.

Der Geschäftsführerin einer der geschädigten Firmen sei wegen des krummen Factoring-Deals gekündigt worden und lebe mittlerweile von Sozialhilfe. Das Gericht berücksichtigte in ihrem Urteil, dass der nicht vorbestrafte Von Bargen Selbstanzeige erstattet hatte. Die Durchführung der Taten setze jedoch hohe kriminelle Energie voraus.

Nach Prozessende umklammert die Mutter von Kai von Bargen seine Taille, die Verlobte küsst den 43-Jährigen auf die Lippen. Kai von Bargen selbst hatte keine Augen für die Presse. Eine Stellungnahme verweigert er, dann flüchtet er von seiner Familie umringt aus dem Gerichtsgebäude. Noch im Gerichtssaal hatte er sich für deren Unterstützung bedankt: Die vergangenen Wochen waren sehr schwer. Das gilt allerdings umso mehr für die Zukunft der geschädigten ForFact. Wieder ein Beweis, dass sich ein Factor nie völlig vor Betrug schützen kann Balsam/Procedo Nicci waren prominente Beispiele für fingierte und verkaufte Scheinrechnungen sicherlich werden weitere spektakuläre Fälle hinzukommen.


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