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Fachtag des Kompetenznetzwerkes Autismus Bodensee-Oberschwaben im BBW

Köln, Pressemitteilung vom 03.02.2012 17:50:31

Fachtag des Kompetenznetzwerkes Autismus Bodensee-Oberschwaben im BBW



RAVENSBURG – Beim 6. Fachtag des Kompetenznetzwerks Autismus Bodensee-Oberschwaben haben namhafte Experten vor rund 250 Gästen im Berufsbildungswerk Adolf Aich (BBW) über das Thema Autismus informiert. Im Fokus der diesjährigen Veranstaltung stand der für betroffene Menschen so schwierige Übergang zwischen Schule und Beruf.



Autismus: Mit der richtigen Unterstützung zum Job
An dieser Schnittstelle entscheidet sich ihr berufliches und damit auch ihr gesellschaftliches Schicksal: Gelingt es ihnen, eine Ausbildung zu machen, optimaler weise eine Stelle auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu finden, oder kommen sie in einer Werkstatt für behinderte Menschen unter Dort, wie der Regensburger Hochschulprofessor Dr. Matthias Dalferth vorrechnete, landen zwischen 40 und 65 Prozent der Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung, während nur fünf Prozent der Sprung auf den freien Arbeitsmarkt gelingt. Allerdings ist Autismus nicht gleich Autismus. Und so sehe die Situation bei Menschen mit einem Asperger-Syndrom anders aus. Hier schaffen es 20 Prozent, eine Arbeitsstelle zu bekommen, manche sogar mit Studiumsabschluss in der Tasche.
Insgesamt sei aber laut Dalferth eine Diskrepanz zu beobachten: So zeichne sich einerseits ein Arbeitskräftemangel bei gut qualifizierten Personen ab, andererseits gebe es aber auch eine zunehmende Exklusion vom Arbeitsmarkt für benachteiligte Menschen. Deshalb sei es so wichtig, Jugendliche mit Leistungsminderung gut zu qualifizieren. Gerade Autisten hätten durch ihre Behinderung ja nicht nur Defizite, sondern auch ausgeprägte Fähigkeiten: "Es gibt vieles, was ihnen leicht fällt." Etwa logisches Denken oder das präzise, fehlerarme Arbeiten. Das A und O dabei: Die Rahmenbedingungen müssen stimmen, ebenso entscheidend ist die richtige Berufswahl."Trainieren, platzieren, begleiten."
Dabei sind es nicht unbedingt fachliche Hürden, die autistischen Jugendlichen den Einstieg ins Berufsleben so schwer machen. "Sie scheitern oft an lebenspraktischen Dingen", sagte Dalferth. Nicht zuletzt deshalb plädierte er für eine intensive Nachbetreuung im Anschluss an die Ausbildung nach dem Motto: "Trainieren, platzieren, begleiten." Diesem "Train & Place"-Ansatz, wie ihn etwa die Berufsbildungswerke verfolgen, stellte er die mit Erfahrungen aus den USA und Großbritannien belegte Strategie des "Place & Train" vor, nach der junge Menschen berufsbegleitend für einen bestimmten Arbeitsplatz – oft im Billiglohnsegment – ausgebildet werden. Sozusagen mittels "Training on the Job". Nachteil: das Qualifizierungsniveau ist relativ gering. BBW-Ausbildung verhindert Arbeitslosigkeit
In diesem Zusammenhang führte Dalferth verschiedene Untersuchungen an, die die Ausbildungsqualität der deutschen Berufsbildungswerke belegen. So haben BBW-Absolventen eine ungleich höhere Chance auf einen Job als ein vergleichbarer Personenkreis ohne Ausbildung. Und das gelte insbesondere auch für Menschen mit Autismus, wie er anhand einer Studie aufzeigte. Und zwar nachhaltig.Autisten benötigen passgenaue Lösungen
Auch Thomas Stöppler, Leiter des Sonderschulseminars Stuttgart und zugleich Mitglied im Expertenrat Baden-Württemberg, zeigte sich überzeugt davon, "dass wir auch weiterhin Einrichtungen wie die Berufsbildungswerke brauchen". In seinem Vortrag gab er einen Überblick über die aktuelle Diskussion in Sachen inklusiver Bildungsangebote im Land und skizzierte Leitlinien für die Förderung von Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung. Wie müssen Übergänge vor dem Hintergrund eines lebenslangen Bildungsanspruchs gestaltet werden Als Eckpunkte nannte er etwa das Konzept des Case Managements an wichtigen Schnittstellen, frühe Betriebspraktika schon während der Schulzeit sowie feste Bezugspersonen und den Einsatz von "Paten" im Arbeitsfeld. Wichtig sei neben einer netzwerkbezogenen Strategie die konsequente Einzelfallorientierung: "Gerade Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung benötigen passgenaue Lösungen.""Alle Möglichkeiten ausschöpfen"
Ein bedeutendes Bindeglied bei der Integration von benachteiligten Menschen in den Beruf ist der Ärztliche Dienst der Bundesagentur für Arbeit. 300 festangestellte Ärzte der unterschiedlichsten Fachrichtungen kümmern sich in den bundesweit 178 Agenturen und Geschäftsstellen um die sozialmedizinische Beratung und Begutachtung der Rehabilitanden. Wie das funktioniert, erläuterte Dr. Ruth Hartmann vom Ärztlichen Dienst der Agentur in Tauberbischofsheim.
So müssen sie und ihre Kollegen etwa klären: Besteht die Bedürftigkeit für eine Maßnahme der beruflichen Reha Ist der jeweilige Jugendliche körperlich und psychisch überhaupt in der Lage, diese erfolgreich zu absolvieren Kann das Reha-Ziel erreicht werden Die daraus erstellten Gutachten dienen dann als Entscheidungsgrundlage für die Vermittlungsleistungen, was Hartmann an Beispielen aufzeigte. Dabei gelte es, "alles an beruflichen Rehabilitationsmöglichkeiten auszuschöpfen", um einen Klienten in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu integrieren.Intensive Unterstützung durch Coaching
Über Voraussetzungen zur Teilhabe am Arbeitsleben und die nötigen Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Integration sprachen die praxiserfahrenen Referenten Uwe Seeger, Reha-Berater der Ravensburger Agentur für Arbeit, und Clemens Besenfelder von der IHK Bodensee-Oberschwaben.
Von guten beruflichen Vermittlungszahlen seiner Einrichtung berichten konnte schließlich Dr. Stefan Thelemann, Leiter des Fachdienstes Diagnostik und Entwicklung im Ravensburger BBW, wo 2005 der erste Asperger-Autist für eine Ausbildung angemeldet worden war. So seien von den bisherigen Absolventen mit einer Autismus-Spektrum-Störung rund 70 Prozent in Arbeit oder Weiterbildung, sagte Thelemann und beschrieb dazu zwei exemplarische Fälle. Zu dieser Erfolgsbilanz trage unter anderem die intensive und systematische Förderung der betroffenen Azubis durch Coaching und spezielle Trainingsmaßnahmen bei, auf die man im BBW großen Wert lege.
 
 
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erstellt am 03.02.2012





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