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Ein halbes Jahr genau ist es her, seit die von BP geleaste Ölplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko explodiert ist. 87 Tage sprudelte das Öl aus dem Bohrleck insgesamt eine Menge von etwa 780 Millionen Liter. Was hat sich seitdem getan Wie zu erwarten, schwappte die weltweite Welle der Empörung erst hoch und ebbte mit dem Verschluss des Lecks langsam ab. Das Thema Bohrstopp in der Tiefsee scheint mittlerweile wieder vom politischen Tisch:
Die US-Regierung hat das Moratorium im Golf vorzeitig aufgehoben. Bei der OSPAR-Meeresschutzkonferenz für den Nordostatlantik und die Nordsee rasselte die angestrebte Bohrpause bei der End-Abstimmung durch. Beim EU-Parlament auch.Und jetze Alles wie gehabt Scheint so. Auch wenn BP im Mediengewitter zunächst seine Pläne, im Mittelmeer und vor Grönland zu bohren, aus Imagegründen öffentlichkeitswirksam auf Eis gelegt hat: Die Branche ist kaum untätig geblieben und hat die Ölfelder in der Tiefsee genau im Blick. Auch der neue BP-Chef hat angekündigt, wieder in der Tiefsee bohren zu wollen. So auch Petrobas eine der weltweit größten Ölfirmen und laut Wikipedia in der Offshore-Förderung technologisch führend. Soso, da wird man schnell übermütig. Das weiß man bei Petrobas eigentlich noch aus dem Jahr 2001: Da wurde die hauseigene Ölplattform Petrobas 36 damals die weltweit größte freischwebende Plattform von Explosionen erschüttert und sank. Mehrere Arbeiter starben; das Öl konnte nicht aufgefangen werden und trieb ins Meer.
Schneller, weiter, tieferNun kommt Petrobras mit einer neuen Rekordtechnik um die Ecke: Sogenannte Floating, Storage and Offloading facilities (FSPOs) sollen ca. 300 Kilometer vor der Küste Louisianas Bohrungen in bis zu ca. 2,7 Kilometer Tiefe ermöglichen. Das ist etwa doppelt so tief wie die missglückte BP-Bohrung im Macondo-Ölfeld. Das Öl soll dann nicht wie sonst üblich per Pipeline, sonder per Schiff, ein sogenanntes FPSO (Floating Production, Storage and Offloadin facilities) gefördert und ebenfalls per Schiff zu den an der Küste gelegenen Ölterminals und Raffinerien gebracht werden. Bei den FPSOs handelt es sich einfach gesagt, um Supertanker, die direkt aus bis zu sechszehn() Bohrlöchern in der Tiefsee Öl aufnehmen können. Die Anbindung an ein Pipelinenetz in Küstennähe wird für Petrobras unnötig, denn Shuttle-Tanker pendeln zwischen FSPO und Küste hin und her. Wie sich die neue Technik wohl zu den gerade verschärften Sicherheitsstandards der USA verhält
Das neue Motto: Risikobewusstes BohrenBei so viel Engagement der Konkurrenz scheint auch der Tatendrang bei BP langsam wieder zu erwachen. BP-Manager Mike Utsler kündigte gestern an, das Tiefseegeschäft auszubauen. Woher das neue Selbstbewusstsein Utsler ist zuversichtlich: Die Fehler lägen schließlich nur bei BP: Hauptschuld trage der Subunternehmer, der für das Versagen des Schutzventils am Bohrloch verantwortlich sei. Außerdem sei der Einsatz von 3 Millionen Liter des giftigen Lösungsmittels Corexit angemessen. Zur Erinnerung: Der größte Teil des Öl-Corexit-Gemisch treibt immer noch im Meer oder hat sich auf dem Meeressgrund abgesetzt und wird das Ökosystem über Jahrzehnte belasten.
Kaum TransparenzWie sich das Öl in den folgenden Jahren auswirken wird darauf hat niemand eine Antwort. Das Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise ist derzeit auf dreimonatiger Expeditionstour und bringt Wissenschaftsteams in die betroffenen Gebiete. Unabhängige Forscher werden die gesammelten Datenmengen über Schwämme, Plankton, Blaukrabben, Pottwale, Korallen in den kommenden Monaten auswerten. Denn: Wenn schon BP und die US-Regierung ihr Datenmaterial bewusst zurückhalten, ist Skepsis angebracht. Ein vorläufiger Bericht der US-Untersuchungskomission warf erst kürzlich der Regierung vor, die Bevölkerung über das mögliche Ausmaß der Ölpest im Unklaren gelassen zu haben. Welche Überraschungen wohl angesichts des ausstehenden Mammutprozesses noch aus dem Hut gezaubert werden
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