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Seele in Not
Nichts könnte die Gefühlslage eines Menschen, der an akuter Depression erkrankt ist, passender umschreiben.
Und doch gibt es auch hier viele Formen der Depressionserkrankungen. Bipolar 2 ist eine davon. Meistens vergehen 10 bis 12 Jahre, bis die Diagnose Bipolar 2 überhaupt gestellt wird. Denn Bipolar Patienten sind Lebenskünstler. Sie leben entgegen des normalen Rhythmus.
In Zeiten der Depression sind sie, wie alle Depressionspatienten, leidend, schwer zu erreichen, voller Selbstzweifel und Anklagen gegen sich selbst. Sie torpedieren nicht nur hilflos ihr eigenes Leben, sondern auch das des gesamten Umfeldes. Sie nehmen es wahr, sehr genau sogar und können es doch nicht verhindern. Und so wird der Leidesdruck immer größer, die Angst die Arbeit, die Freunde, die Familie, den sozialen Status zu verlieren, wächst mit.
Denn in ihren Hochphasen, die leider oft irrtümlich dann als gesunde Phasen gesehen werden, da sind die Bipolar 2 Betroffen in Höchstform. Sie leisten Unglaubliches. Sie bewältigen spielend mehrere Jobs zugleich, benötigen selten mehr als drei Stunden Schlaf. Ihr Umfeld bestätigt sie in diesem „Fehlverhalten“. Denn verheerend ist, was zwangsläufig passiert. Je höher der Patient geflogen ist, desto tiefer stürzt er ab. Ein verheerender Kreislauf, den es zu unterbrechen gilt.
Aber welcher Patient möchte im Mittelmaß leben, wenn er doch so hoch hinaus kann. Nicht selten sind Hochleistungssportler und Menschen in Führungspositionen betroffen. Wie ein Adler steigen sie in schwindelerregende Höhe und wie ein Stein stürzen sie von einem Moment zum anderen wieder ab.
Robert Enke hat seine Entscheidung getroffen. In einem Moment, vielleicht nur in einem kleinen Augenblick. Warum? Das weiß nur er ganz allein. „So diskutieren wir, wie so viele andere auch, über das Recht auf Selbsttötung, die Pflicht zu leben.“, so die Autorin Zanne van den Geest. „ Plötzlich sah Michael mich an. „Ob ich mich auch irgendwann einmal vor den Zug werfe? Ist das ein schneller Tod? Er hat es jetzt gut. Es ist für ihn vorbei.“ Dann sah Michael wieder aus dem Fenster. So, als habe er keinen Satz mit Tragweite gesagt. Wieder so ein Satz, einfach so dahingesagt und auch wieder nicht. Ich weiß, dass sie sich immer wieder mit dem Gedanken getragen hat. Immer wieder in all den letzten Monaten, in denen wir gegen eine Krankheit kämpfen, die mit unfairen Mitteln agiert. Die völlig unvorbereitet zuschlägt. Das Leben aus den Fugen reißt. Von einem Moment zum nächsten. Und nichts, so scheint es uns, können wir dagegen tun. Der Tod von Robert Enke wird noch oft wie ein Damoklesschwert über uns schweben, unser Leben erschüttern. Nein eigentlich nicht sein Tod. Die Entscheidung, wie er sich das Leben nahm. Die Zuggleise, die auch an der Klinik vorbeiführen, die werden zu einer Bedrohung für uns werden. Werden uns schlaflose Nächte kosten. Uns in Angst und Schrecken versetzen. Immer und immer wieder. Und doch können wir nichts dagegen tun. Wir leben und sind verdammt es zu ertragen.“
Das Buch „Seele in Not“ mit dem Untertitel „Diagnose Bipolar II“ beschreibt den Krankheitsverlauf sehr genau und erklärt viele Mechanismen, die sich durch das Nichtstellen der richtigen Diagnose automatisieren. Immer noch werden die Patienten alleine gelassen. Werden mit Diagnosen von Burn out, Schizophrenie, Persönlichkeitsstörung und Depression abgespeist, von einer psychosomatischen Kur und Therapie zur nächsten weitergereicht. Zwangsläufig ohne erkennbare Erfolge.
„Um die Diagnose stellen zu können, muss man diese Krankheit und ihren Verlauf verstehen und erkennen. Nur dann ist es möglich, die Betroffenen aufzufangen und zu therapieren.“ So Zanne van den Geest.
Das Buch ist am 01. Juni 2010 erschienen. ISBN 9783929925241. Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage der Autorin: www.zanne-van-den-geest.de
Kontakt:
ZanneVanDenGeest@googlemail.com
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