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Christival persoenliche Stellungnahme zur aktuellen Kontroverse

Nürnberg, Pressemitteilung vom 13.11.2009 09:06:14

Christival  persoenliche Stellungnahme zur aktuellen Kontroverse

Ich selbst leite auf dem Christival ein Festival und verantworte ein Seminar und habe deswegen natürlich die bundesweite Diskussion angespannt mitbeobachtet.

Folgende persönliche Bemerkungen zu dieser Diskussion:

Volker Beck hat keinerlei Unternehmungen angestellt mit den Christival-Verantwortlichen oder den Seminarleitern im Vorfeld in Kontakt zu treten. Statt dessen ist er sofort aggressiv in die Öffentlichkeit gegangen, hat eine Absage des Seminars Homosexualität verstehen und verändern gefordert und die Schirmherrin des Christivals Ursula von der Leyhen öffentlich an den Pranger gestellt und erpresst (wenndann). Das sind unfaire Methoden, die sonst fundamentalistischen Gruppen vorgeworfen werden, die Volker Beck hier angewendet hat: kein Dialog, Redeverbot, öffentlich an den Pranger stellen, Verzerrung durch billige Propaganda-Sprache (Homoheiler, fundamentalistischer Kongress) dies alles hilft nicht zum Verstehen der jeweiligen Positionen. Zudem fragen sich sicherlich viele junge Christival-Besucher, die sich in Jugendverbänden, Kirchengemeinden und in ihrem gesellschaftlichen Umfeld engagieren und eine eigene Meinung haben, warum sie sich nicht selbst ein Bild in diesem Seminar machen dürfen und ein Bundestagsabgeordneter Herr Beck sie bevormundet und das Seminar absagen lässt. Das ist Verbots-Pädagogik, die sonst strikt abgelehnt wird. Auch dies kann ich nicht nachvollziehen. Auch beim letzten Christival habe ich mit erlebt, wie Christival-Besucher sehr wohl mit unterschiedlichen Meinungen zu diesem Thema diskutiert haben.
Nochmals: Eine kontroverse Diskussion zum Thema ist prima, doch nicht in diesem Stil. Es gilt unterschiedliche Erfahrungen zu respektieren und auszuhalten.
a) Zum einen gibt es homosexuell orientierte Frauen und Männern, die ihre Sexualität in ihre Biographie affirmiert haben, diese leben und mit ihrem Gewissen vereinbaren können.
b) Zum anderen gibt es aber auch homophil empfindende Menschen, die mit ihrer homosexuellen Orientierung nicht leben wollen, sich freien Willens einer Therapie unterzogen haben und heute glücklich in einer heterosexuellen Beziehung leben.
Dass sich Menschen so oder so entscheiden, liegt in ihrer Freiheit begründet und das ist weder in die eine noch in die andere Richtung zu verbieten. Es ist für mich nicht nachzuvollziehen, dass die Konvertierung in eine homosexuelle Lebensweise als Coming-Out gefeiert wird und eine Konvertierung in eine heterosexuelle Lebensweise als fundamentalistischer Skandal abgeklatscht wird. Sicherlich wurde über Jahrhunderte verkehrt mit homosexuell empfindenden Menschen umgegangen quer durch die Gesellschaft incl. Kirche und das sicherlich von Teilen der Bevölkerung bis heute (z.B. schwul als Schimpfwort). Dem ist entschieden entgegen zu treten
Aber jetzt auf Rache an denen zu üben, die freien Willens eine heterosexuelle einer homosexuellen Lebensweise vorziehen, das ist für mich nicht nachzuvollziehen. Es grenzt schon an Absurdität, dass sich Menschen wie die Seminarleiter auf dem Christival die Veränderungen in sexueller Orientierung erlebt haben, sich öffentlich rechtfertigen müssen, dass sie das so erlebt haben und obendrein als Fundamentalisten abgestempelt werden. Wissenschaftlich verweise ich auf die ausführliche AEJ-Erklärung (Arbeitsgemeinschaft Evangelische Jugend), die Darstellung von der Seminar-Verantwortlichen Dr. med. Christl Ruth Vonholdt, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin (Beck-Sprache: fundamentalistische Heilungsscharlatane), des Christivals und die Argumentation von Volker Beck selbst. Sich selbst ein Bild machen, ist immer das Beste. Homosexualität aus christlich-ethischer Sicht steht meines Erachtens in der unauflöslichen Spannung zwischen biblisch-theologischem Menschenbild und seelsorgerlicher Wirklichkeit. In geradezu verbrecherischer Kürze:
a) Biblisch-theologisch muss man viel verbiegen, wenn man eine Zuordnung von Mann und Mann oder von Frau und Frau heraus lesen will. Von der ersten bis zur letzten Seite der Bibel wird von einem sich durch Frau und Mann ergänzenden Menschenbild incl. Ehe als guter Ordnung- ausgegangen. Andere exegetische Wege bei Ausschöpfung aller historisch-kritischen Argumente kann ich persönlich beim besten Willen nicht nachvollziehen.
b) Seelsorgerlich ist aber andersherum klar, dass ein das gibt es nicht oder du darfst so nicht fühlen blanker Nonsens ist. Auch ist klar, dass in einer offenen Gesellschaft ausgehalten werden muss, dass Menschen sich für einen Lebensweg entscheiden, der ihnen entspricht und wenn das die homosexuelle Lebensform ist okay. Dass Christen, die Homosexualität nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren können und wollen was aufgrund der biblisch-theologischen Sachlage meines Erachtens nachzuvollziehen ist -, eine Veränderung wünschen und sich auf eine Therapie einlassen, muss aber mit der gleichen Begründung ebenfalls respektiert werden. Und dass in der Seelsorge von vorneherein nur davon auszugehen ist, dass homophile Empfindungen nicht veränderbar sind, ist meines Erachtens ebenso verkehrt wie, dass alle homophilen Empfindungen zu verändern sind. Dass nach der Absage des Seminars jetzt noch ein weiteres Seminar des Christivals in Bezug auf Abtreibung unter Beschuss gekommen ist, legt nahe, dass mit allen Mitteln eigene politische Überzeugungen Anderen repressiv aufgedrückt werden sollen. Dies gilt es bei aller gern geführten offenen Diskussion klar und entschieden zurückzuweisen.

Und übrigens: nicht dass der Eindruck entsteht, der Christival sei ein rechts-konservativer Kongress. Viele Themen in den Seminaren behandeln auch klassisch links-liberale Themen wie Globalisierung und Ökologie.

Zum Schluss verweise ich auf den Dachverband des CVJM unter: http://www.cvjm.de/cvjm-gesamtverband/service/presse/cvjm-stellt-sich-hinter-christival/

Michael Götz, Leitender Sekretär im CVJM Nürnberg-Kornmarkt



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